Welche Sprache spricht man in Deutschland?

Dieser Artikel wurde zuletzt im März 2026 aktualisiert & geprüft.

Welche Sprache spricht man in Deutschland – Amtssprache, Dialekte und Minderheitensprachen

Deutschland gilt sprachlich als homogen – doch hinter der Einheitssprache verbergen sich 4 anerkannte Minderheitensprachen, über 16 Dialektgruppen und Millionen von Sprechern anderer Muttersprachen. Dieser Artikel beantwortet die Frage, welche Sprache man in Deutschland spricht, vollständig – von der offiziellen Amtssprache bis zur kuriosen Verfassungslücke.

Welche Sprache spricht man in Deutschland?
In Deutschland spricht man Deutsch – de facto die Amtssprache, die jedoch nicht explizit im Grundgesetz verankert ist. Rund 95 % der ca. 84 Millionen Einwohner sprechen Deutsch als Muttersprache. Daneben gibt es vier anerkannte Minderheitensprachen (Dänisch, Friesisch, Sorbisch, Romani), große Migrantensprachgemeinschaften (Türkisch, Russisch, Arabisch, Polnisch) sowie über 16 regionale Dialektgruppen.

Steckbrief: Sprachen in Deutschland

Amtssprache Deutsch (de facto – nicht im Grundgesetz!)
Deutsch-Sprecher ca. 95 % der Bevölkerung (80+ Mio.)
Einwohner ca. 84 Millionen
Hauptstadt Berlin (ca. 3,7 Mio. Einwohner)
Region Mitteleuropa
Sprachfamilie Westgermanisch (Indoeuropäisch)
Anerkannte Minderheitensprachen Dänisch, Nordfriesisch, Saterfriesisch, Ober- und Niedersorbisch, Romani
Größte Migrantensprachen Türkisch (2,5 Mio.), Russisch (2,3 Mio.), Polnisch (1,5 Mio.), Arabisch (1,2 Mio.)
Dialektgruppen 16+ (Bairisch, Schwäbisch, Sächsisch, Plattdeutsch u. a.)
Englisch-Kenntnisse ca. 56 % (unter 30-Jährige: 80 %+)

Die Amtssprache: Deutsch – aber ohne Verfassungsstatus

Deutsch ist die Sprache des Alltags, der Verwaltung, der Gerichte und der Schulen in Deutschland. Was viele nicht wissen: Deutsch ist nirgends im Grundgesetz als Amtssprache festgeschrieben. Es gilt als selbstverständlich – und genau diese Lücke hat eine eigene politische Geschichte.

Was ist Deutsch sprachlich?

Deutsch ist eine westgermanische Sprache, verwandt mit Niederländisch, Englisch, Friesisch und Jiddisch. Weltweit sprechen es rund 95–100 Millionen Menschen als Muttersprache und ca. 135 Millionen insgesamt – damit ist Deutsch die meistgesprochene Muttersprache innerhalb der EU. Amtssprache ist es in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft) und Südtirol (Italien).

Grammatisch gehört Deutsch zu den anspruchsvolleren europäischen Sprachen: vier Fälle, drei Genera, trennbare Verben und die berühmte Komposita-Bildung (Beispiel: „Donaudampfschifffahrtsgesellschaft“). Dafür ist die Aussprache phonetisch sehr regelmäßig – was das Lesen und Hören für Lernende erleichtert.

Warum steht Deutsch nicht im Grundgesetz?

Das Grundgesetz von 1949 erwähnt Deutsch mit keinem Wort als Amtssprache – im Gegensatz zu Frankreich, wo Französisch seit 1992 Verfassungsrang hat, oder Österreich mit dem Staatsvertrag. Die Gründe sind pragmatisch: Man sah es als selbstverständlich an, wollte keine sprachliche Diskriminierung von Minderheiten riskieren und vertraute dem Föderalismus.

2008 versuchte die CDU/CSU, „Deutsch als Staatssprache“ ins Grundgesetz aufzunehmen – der Antrag scheiterte. SPD, Grüne und Linke hielten ihn für überflüssig und symbolpolitisch. Praktisch ändert sich dadurch nichts: Deutsch ist durch einfache Gesetze Amts- und Gerichtssprache, die Verfassungslücke ist ohne reale Konsequenz.

Zweisprachige Schilder Deutsch Dänisch Schleswig-Holstein

Anerkannte Minderheitensprachen in Deutschland

Deutschland hat die Europäische Sprachencharta 1999 ratifiziert und erkennt damit vier autochthone (einheimische) Minderheitensprachen mit besonderen Schutzrechten an – inklusive eigenem Schulunterricht und zweisprachiger Beschilderung.

Dänisch – Schleswig-Holstein

Rund 50.000 Menschen in Schleswig-Holstein sprechen Dänisch als Muttersprache, vor allem im Grenzraum um Flensburg. Die dänische Minderheit geht auf die wechselhafte Geschichte der deutsch-dänischen Grenzregion im 19. Jahrhundert zurück. Es gibt dänischsprachige Schulen, Medien und zweisprachige Ortsschilder. Mehr zur Nachbarsprache: Welche Sprache spricht man in Dänemark?

Friesisch – Nordseeküste

Friesisch ist eine westgermanische Sprache, die strukturell näher am Englischen als am Deutschen liegt. In Deutschland gibt es zwei Varietäten: Nordfriesisch (ca. 10.000 Sprecher auf den Nordseeinseln und im Kreis Nordfriesland) und Saterfriesisch (ca. 2.000 Sprecher im Saterland, Niedersachsen). Die UNESCO stuft beide als „ernsthaft gefährdet“ ein.

Sorbisch – Lausitz

Die Sorben sind eine westslawische Minderheit, seit rund 1.500 Jahren in der Lausitz ansässig – linguistisch verwandt mit Polnisch und Tschechisch. Obersorbisch (ca. 20.000 Sprecher in Sachsen um Bautzen) und Niedersorbisch (ca. 7.000 Sprecher in Brandenburg um Cottbus) haben beide zweisprachige Schulen und Ortsschilder. Niedersorbisch gilt als besonders gefährdet.

Romani – bundesweit

Romani ist die Sprache der Sinti und Roma – eine indoarische Sprache, linguistisch verwandt mit Hindi. Rund 50.000–70.000 Sprecher leben in ganz Deutschland. Sinti und Roma wurden als nationale Minderheit 1995 offiziell anerkannt.

Deutsche Dialekte – die versteckte Vielfalt

Wer in Bayern aufgewachsen ist, hat manchmal Mühe, einen echten Plattdeutschen zu verstehen – und umgekehrt. Deutsch hat über 16 Dialektgruppen, die sich in Aussprache, Grammatik und Vokabular erheblich unterscheiden.

Niederdeutsch (Plattdeutsch) im Norden (Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) ist linguistisch so eigenständig, dass seine Einordnung als „Dialekt“ oder „eigene Sprache“ umstritten ist. Strukturell liegt es näher am Niederländischen als am Hochdeutschen. Aktive Sprecher: 100.000–300.000, passive Verstehende: 2–3 Millionen.

Oberdeutsche Dialekte im Süden umfassen Bairisch (12+ Mio. Sprecher in Bayern und Österreich), Schwäbisch (ca. 2 Mio. in Baden-Württemberg) und Alemannisch (Schweiz, Elsass, Südbaden).

Mitteldeutsche Dialekte in der Mitte: Sächsisch (Sachsen), Thüringisch, Hessisch – alle mit markanten Eigenheiten, die überregional bekannt und manchmal verspottet werden.

Die Benrather Linie ist die wichtigste Dialektgrenze: Sie trennt das niederdeutsche „maken“ im Norden vom hochdeutschen „machen“ im Süden.

Trend: Dialekte sterben aus. Urbanisierung, Mobilität und überregionale Medien führen zur Standardisierung. Die jüngere Generation spricht meist Hochdeutsch mit leichtem regionalem Akzent – ausgeprägte Dialekte bleiben vor allem in Bayern und der Schweiz lebendig.

Dialektkarte Deutschland – Übersicht der regionalen Dialektgruppen von Plattdeutsch bis Bairisch

Migrantensprachen – die neue sprachliche Vielfalt

Durch Gastarbeiterzuwanderung ab den 1960ern, Spätaussiedler in den 1990ern und Fluchtbewegungen ab 2015 ist Deutschland heute eines der sprachlich vielfältigsten Länder Europas.

Türkisch (ca. 2,5 Mio. Sprecher) ist seit der Gastarbeiteranwerbung ab 1961 die größte Migrantensprache. Drei Generationen Türkischstämmige haben eine eigene mediale Infrastruktur aufgebaut. Aus der Sprachmischung ist das „Kiezdeutsch“ entstanden – eine Jugendsprache in multikulturellen Stadtvierteln mit vereinfachter Grammatik und türkischen bzw. arabischen Lehnwörtern wie „Wallah“, „Yalla“ oder „Lan“. Linguisten sehen darin kreative Sprachentwicklung, kein Verfall.

Russisch (ca. 2,3 Mio. Sprecher) kam vor allem durch Spätaussiedler aus der Ex-Sowjetunion in den 1990ern und jüdische Kontingentflüchtlinge.

Arabisch (ca. 1,2 Mio. Sprecher) ist durch syrische, libanesische und irakische Gemeinschaften die am schnellsten wachsende Sprachgruppe seit 2015. Mehr zur arabischen Sprache: Arabisch – Sprachgeschichte und Herkunft.

Polnisch (ca. 1,5 Mio. Sprecher) ist teils historisch verwurzelt (Ruhrgebiet), teils durch EU-Freizügigkeit nach 2004 gewachsen. Mehr: Welche Sprache spricht man in Polen?

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Fremdsprachen in Deutschland

Englisch sprechen rund 56 % der Deutschen, bei unter 30-Jährigen über 80 %. Es ist Pflichtfach ab Klasse 1–3, Business-Sprache in internationalen Unternehmen und durch Popkultur und Internet omnipräsent. Als Tourist kommt man in Großstädten gut mit Englisch zurecht.

Französisch (ca. 15 %) ist traditionell die zweite Schulfremdsprache, verliert aber gegenüber Spanisch an Boden. Die geografische Nähe und die EU-Zusammenarbeit halten seine Relevanz hoch. Mehr: Welche Sprache spricht man in Frankreich?

Spanisch (6–8 %) wächst – vor allem bei Jugendlichen, die es als attraktiver und praktischer als Französisch empfinden. Als Weltsprache mit 485 Millionen Muttersprachlern eine sinnvolle Wahl.

Nützliche deutsche Sätze für Besucher

Deutsch lernen für den Besuch? Ein paar Grundsätze werden sehr geschätzt – Deutsche reagieren positiv auf Lernbemühungen.

Deutsch Bedeutung Aussprache
Hallo / Guten Tag Hallo / Guten Tag Hallo / Guuten Taak
Auf Wiedersehen / Tschüss Goodbye / Bye Auf Viidersehn / Tschüss
Danke schön Thank you Danke schön
Bitte Please / You’re welcome Bitte
Entschuldigung Excuse me / Sorry Ent-schul-di-gung
Ja / Nein Yes / No Yaa / Nain
Ich verstehe nicht I don’t understand Ish fer-shtehe nisht
Sprechen Sie Englisch? Do you speak English? Shpreshen See Eng-lish?
Wie viel kostet das? How much is this? Vee feel kos-tet das?
Wo ist…? Where is…? Vo ist…?
Prost! Cheers! Prohst!

Sprachenvielfalt in Deutschland – mehrsprachige Stadtszene mit verschiedenen Sprachgruppen

Weitere Länder in der Region

Deutschland grenzt an neun Länder – fast alle mit eigenen sprachlichen Besonderheiten:

Mehr zur Verbreitung von Deutsch als Amtssprache: Amtssprachen der Europäischen Union.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Sprache spricht man in Deutschland?

In Deutschland spricht man Deutsch – de facto die Amtssprache, auch wenn sie nicht im Grundgesetz steht. Rund 95 % der 84 Millionen Einwohner sprechen Deutsch als Muttersprache. Daneben gibt es vier anerkannte Minderheitensprachen (Dänisch, Friesisch, Sorbisch, Romani), große Migrantensprachgemeinschaften (Türkisch, Russisch, Polnisch, Arabisch) und über 16 regionale Dialektgruppen.

Was ist die offizielle Amtssprache in Deutschland?

Deutsch ist die Amts- und Gerichtssprache in Deutschland – allerdings ohne Verfassungsstatus. Das Grundgesetz von 1949 nennt Deutsch nicht explizit, was Deutschland von Frankreich oder Österreich unterscheidet. Praktisch ist Deutsch durch einfache Bundesgesetze in allen Verwaltungs- und Gerichtsbereichen verbindlich.

Welche Amtssprachen gibt es in Deutschland?

Deutschland hat eine de-facto-Amtssprache: Deutsch. Auf regionaler Ebene haben die vier anerkannten Minderheitensprachen – Dänisch (Schleswig-Holstein), Nordfriesisch und Saterfriesisch (Nordseeküste), Ober- und Niedersorbisch (Lausitz) sowie Romani (bundesweit) – durch die Europäische Sprachencharta besondere Schutzrechte, aber keinen gleichrangigen Amtssprachenstatus.

Wie viele Sprachen gibt es in Deutschland?

Neben Deutsch als dominanter Sprache werden in Deutschland gesprochen: 4 anerkannte Minderheitensprachen, über 16 Dialektgruppen des Deutschen sowie Migrantensprachen mit Millionen Sprechern – allen voran Türkisch (2,5 Mio.), Russisch (2,3 Mio.), Polnisch (1,5 Mio.) und Arabisch (1,2 Mio.). Insgesamt werden in Deutschland schätzungsweise über 200 verschiedene Sprachen gesprochen.

Spricht man in Deutschland Englisch?

Rund 56 % der Deutschen sprechen Englisch, bei unter 30-Jährigen sogar über 80 %. In Großstädten wie Berlin, München und Frankfurt kommt man als Tourist sehr gut mit Englisch zurecht. In ländlichen Regionen und bei älteren Generationen ist die Verbreitung deutlich geringer. Für Arbeit und längeren Aufenthalt ist Deutschkenntnis aber unverzichtbar.

Warum steht Deutsch nicht im Grundgesetz?

Bei der Verfassungsgebung 1949 wurde Deutsch als selbstverständlich angesehen – ein expliziter Eintrag schien unnötig. Zudem sollte kein Anreiz zur sprachlichen Diskriminierung von Minderheiten entstehen, und Bildungs- und Kulturpolitik ist in Deutschland Ländersache (Föderalismus). Ein Versuch der CDU/CSU 2008, „Deutsch als Staatssprache“ ins Grundgesetz aufzunehmen, scheiterte.

Was ist Kiezdeutsch?

Kiezdeutsch ist eine Jugendsprache in multikulturellen Stadtvierteln (besonders Berlin, Ruhrgebiet) mit vereinfachter Grammatik, Artikel-Weglassung und Lehnwörtern aus dem Türkischen und Arabischen. Linguisten betrachten es als kreative Sprachentwicklung – kein Verfall, sondern ein lebendiges Beispiel für Sprachkontakt. Im formellen Kontext wird es kaum verwendet.

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Fazit

Deutschland zeigt auf den ersten Blick sprachliche Homogenität – 95 % sprechen Deutsch als Muttersprache. Darunter liegt aber eine beachtliche Vielfalt: vier anerkannte Minderheitensprachen, über 16 Dialektgruppen und Millionen von Sprechern anderer Muttersprachen. Die fehlende Verfassungsverankerung des Deutschen ist eine Besonderheit, die Deutschland von seinen Nachbarn unterscheidet – ohne praktische Konsequenz, aber mit symbolischer Bedeutung.

Quellen:

Sven Mancini – Autor Sprachfabrik24

Über den Autor: Sven Mancini
Sven ist Sprachlern-Autor und hat 6 Sprachen als Autodidakt gelernt. Auf Sprachfabrik24.de teilt er seit 2014 Hintergrundwissen zu Sprachen weltweit – auch zur eigenen Muttersprache Deutsch, die er als Lernenden-Perspektive auf andere Sprachen nutzt.
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