Woher kommt eine Sprache, mit welchen Sprachen ist sie verwandt und in welcher Schrift wird sie geschrieben? Genau das beantworten unsere Sprachensteckbriefe. Du findest hier über 65 Sprachen, geordnet nach Sprachfamilien, jeweils mit einem eigenen Steckbrief zu Herkunft, Verbreitung, Schrift und Besonderheiten.
Ich habe selbst sechs Sprachen als Autodidakt gelernt. Dabei hat mir eines immer geholfen: zuerst zu verstehen, wo eine Sprache herkommt. Wer weiß, dass Rumänisch eine romanische Sprache ist oder dass Persisch trotz arabischer Schrift nichts mit Arabisch zu tun hat, lernt schneller und versteht mehr.
Quick Answer: Sprachensteckbriefe auf einen Blick
- Was: Kompakte Porträts von über 65 Sprachen mit Herkunft, Sprachfamilie, Verbreitung und Schrift
- Ordnung: Nach Sprachfamilien, damit du Verwandtschaften sofort erkennst
- Für wen: Lehrkräfte mit mehrsprachigen Klassen, Schüler, Studierende und alle, die eine neue Sprache lernen wollen
- Weltweit: Schätzungen gehen von rund 7.000 lebenden Sprachen aus, die sich auf einige hundert Sprachfamilien verteilen
Was ist eine Sprachfamilie?
Eine Sprachfamilie ist eine Gruppe von Sprachen, die auf eine gemeinsame Ursprache zurückgehen. Die größte Familie in Europa ist das Indogermanische: Dazu gehören Deutsch, Englisch, Spanisch, Russisch, Persisch und Hindi. Sie klingen heute völlig verschieden, teilen aber uralte Grundwörter. Das deutsche „drei“, das spanische „tres“ und das russische „tri“ haben denselben Ursprung.
Andere Sprachen stehen ganz außerhalb dieser Familie. Finnisch und Ungarisch sind uralisch, Türkisch gehört zu den Turksprachen und Baskisch hat bis heute keine nachgewiesenen Verwandten. Eine wissenschaftliche Übersicht aller Sprachfamilien findest du im Sprachfamilien-Verzeichnis von Glottolog.
Germanische Sprachen
Die germanischen Sprachen sind ein Zweig des Indogermanischen. Für Deutschsprachige sind sie am leichtesten zugänglich, weil Wortschatz und Satzbau oft vertraut wirken. Englisch hat durch die Normannen allerdings sehr viele französische Wörter aufgenommen.
Romanische Sprachen
Alle romanischen Sprachen sind aus dem gesprochenen Latein des Römischen Reichs entstanden. Wer eine davon kann, versteht von den anderen oft schon erstaunlich viel. Rumänisch ist die große Ausnahme im Osten: romanisch im Kern, aber mit vielen slawischen Lehnwörtern.
- Spanisch
- Spanisch in Mexiko (Mexikanisch)
- Französisch
- Italienisch
- Portugiesisch (auch Brasilianisch)
- Katalanisch
- Mallorquinisch
- Rumänisch
Slawische Sprachen
Die slawischen Sprachen teilen sich in Ost-, West- und Südslawisch. Auffällig ist die Schrift: Russisch, Ukrainisch, Bulgarisch und Mazedonisch schreibt man kyrillisch, Polnisch, Tschechisch, Slowakisch, Slowenisch, Kroatisch und Bosnisch lateinisch. Serbisch nutzt beide Alphabete.
- Russisch
- Ukrainisch
- Polnisch
- Tschechisch
- Slowakisch
- Slowenisch
- Kroatisch
- Serbisch
- Bosnisch
- Bulgarisch
- Mazedonisch
Baltisch, Griechisch und Albanisch: eigene Zweige des Indogermanischen
Diese Sprachen gehören zur indogermanischen Familie, haben dort aber keine nahen Verwandten. Litauisch und Lettisch sind die einzigen lebenden baltischen Sprachen. Griechisch und Albanisch bilden jeweils einen eigenen Zweig. Deshalb kommen Fragen wie „zu welcher Sprachfamilie gehört Griechisch?“ so oft vor.
Iranische Sprachen
Persisch wird mit arabischen Buchstaben geschrieben, ist aber indogermanisch und damit entfernt mit Deutsch verwandt. Dari ist die in Afghanistan gesprochene Form des Persischen. Kurdisch und Paschtu gehören ebenfalls zur iranischen Gruppe.
Sprachen Südasiens: indoarisch und dravidisch
Hindi und Urdu klingen im Alltag fast gleich, werden aber in verschiedenen Schriften geschrieben: Hindi in Devanagari, Urdu in arabisch-persischer Schrift. Auch Romani, die Sprache der Roma, hat ihren Ursprung in Nordindien. Tamil gehört dagegen zur dravidischen Familie im Süden Indiens und in Sri Lanka.
Uralische Sprachen
Finnisch, Estnisch und Ungarisch sind keine indogermanischen Sprachen. Finnisch und Estnisch sind eng verwandt, Ungarisch nur sehr entfernt. Typisch für alle drei sind viele Fälle und lange, zusammengesetzte Wörter.
Turksprachen und Mongolisch
Die Turksprachen reichen von der Türkei bis nach Zentralasien. Türkisch und Aserbaidschanisch sind so eng verwandt, dass sich Sprecher oft gut verstehen. Gemeinsam ist allen die Vokalharmonie: Endungen passen sich an die Vokale des Wortes an. Mongolisch bildet eine eigene Sprachfamilie und wird in der Mongolei kyrillisch geschrieben.
Afroasiatische Sprachen: Arabisch, Hebräisch und Verwandte
Zur afroasiatischen Familie gehören die semitischen Sprachen wie Arabisch, Hebräisch und Amharisch. Arabisch ist dabei zweigeteilt: Geschrieben wird Hocharabisch, gesprochen werden regionale Varianten wie in Ägypten, Marokko, Tunesien, Syrien oder im Libanon. Maltesisch ist die einzige semitische Sprache, die lateinisch geschrieben wird und Amtssprache der EU ist.
- Arabisch
- Ägyptisch
- Marokkanisch (Darija)
- Tunesisch
- Syrisch
- Libanesisch
- Hebräisch (Ivrit)
- Maltesisch
- Amharisch
Ostasien: Chinesisch, Japanisch und Koreanisch
Mandarin und Kantonesisch sind sinotibetische Sprachen und Tonsprachen: Die Tonhöhe verändert die Bedeutung eines Wortes. Japanisch und Koreanisch gehören nicht dazu, auch wenn sie viele chinesische Lehnwörter haben. Koreanisch wird mit dem eigenen Alphabet Hangeul geschrieben, Japanisch mit einer Mischung aus Kanji und zwei Silbenschriften.
Südostasien und Madagaskar: austronesisch und austroasiatisch
Indonesisch und Malaysisch gehen beide auf das Malaiische zurück und sind gegenseitig gut verständlich. Überraschend: Auch Madagassisch ist austronesisch, obwohl Madagaskar vor Afrika liegt. Vietnamesisch gehört zur austroasiatischen Familie und wird mit lateinischen Buchstaben und vielen Tonzeichen geschrieben.
Afrikanische Sprachen südlich der Sahara
Suaheli und Lingala sind Bantusprachen und dienen in Ost- und Zentralafrika als Verkehrssprachen zwischen vielen Volksgruppen. Wolof wird vor allem im Senegal gesprochen. Alle drei gehören zur Niger-Kongo-Familie, der größten Sprachfamilie Afrikas.
Sonderfälle: Baskisch und Georgisch
Baskisch ist eine isolierte Sprache. Sie war schon vor den Indogermanen in Europa und hat bis heute keine nachgewiesenen Verwandten. Georgisch gehört zur kleinen kartwelischen Familie im Kaukasus und hat eine eigene, sehr markante Schrift.
Herkunftssprachen in Schule und Kita
In vielen Klassen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sprechen Kinder zu Hause eine andere Sprache als Deutsch. Für Lehrkräfte und Erzieher hilft es enorm, diese Sprachen ein wenig einordnen zu können: Welche Schrift kennt das Kind? Welche Laute gibt es im Deutschen, aber nicht in der Herkunftssprache? Wo liegen typische Stolpersteine?
Diese Steckbriefe werden in Schule und Kita besonders oft gebraucht:
- Türkisch
- Arabisch
- Bosnisch, Kroatisch, Serbisch
- Albanisch
- Rumänisch
- Polnisch
- Russisch
- Ukrainisch
- Persisch und Dari
- Kurdisch
- Romani
- Bulgarisch
Wenn du Kinder oder Erwachsene beim Deutschlernen begleitest, findest du passende Kurse in unserem Überblick zu DaZ-Onlinekursen (Deutsch als Zweitsprache).
Noch mehr zu jeder Sprache
Ein Steckbrief zeigt dir, woher eine Sprache kommt. Wenn du direkt loslegen willst, helfen dir unsere Sammlungen mit den wichtigsten Wörtern und Floskeln für den Alltag. Und falls du wissen willst, was in einem bestimmten Land gesprochen wird, schau in die Übersicht Länder und ihre Sprachen.
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Über den Autor: Sven Mancini
Sven ist Sprachlern-Autor und Autodidakt mit über 20 Jahren Erfahrung. Er hat sechs Sprachen selbst gelernt und seine Methoden in vier veröffentlichten Büchern dokumentiert. Für ihn beginnt jede neue Sprache mit der Frage, woher sie kommt und womit sie verwandt ist. Genau dafür sind diese Steckbriefe gedacht.
