Bulgarisch | Geschichte & Herkunft [Sprachen vorgestellt]

Dieser Artikel wurde zuletzt im Juni 2026 aktualisiert & geprüft.

Bulgarisch – Geschichte und Herkunft: alte kyrillische Handschrift und mittelalterliches bulgarisches Kloster

Nach den romanischen und germanischen Sprachen bilden die rund 20 slawischen Sprachen – gemessen an der Zahl ihrer Muttersprachler – die drittgrößte aus dem europäischen Raum stammende Sprachengruppe. Die meisten Slawen sprechen Russisch (rund 150 Millionen Muttersprachler), Polnisch (55 Millionen) oder Ukrainisch (45 Millionen). Im Vergleich ist Bulgarisch mit schätzungsweise acht bis neun Millionen Muttersprachlern eine im Weltmaßstab eher wenig gesprochene Sprache – sprachgeschichtlich aber eine der bedeutendsten überhaupt: Das Altbulgarische war die erste slawische Sprache mit schriftlicher Überlieferung.

Kurz erklärt: Woher kommt das Bulgarische?

Bulgarisch ist eine südslawische Sprache, die sich im 9. Jahrhundert als eigenständige Schriftsprache herausbildete. Als Altbulgarisch (Altkirchenslawisch) war sie die erste verschriftlichte slawische Sprache und beeinflusste die Nachbarsprachen stark. Geschrieben wird Bulgarisch im kyrillischen Alphabet. Am engsten verwandt ist es mit dem Mazedonischen.

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Bulgarisch – Teil der slawischen Sprachfamilie

Etwa zwei Millionen weitere Menschen beherrschen Bulgarisch neben ihrer Muttersprache als Umgangssprache. Bulgarisch wird wie auch Serbisch, Slowenisch oder Bosnisch dem südslawischen Sprachzweig zugeordnet. Innerhalb dieses Zweigs bildet Bulgarisch zusammen mit Mazedonisch und der Sakralsprache Altkirchenslawisch die Gruppe des Ostsüdslawischen. Genau diese enge Verwandtschaft zum Mazedonischen sorgt dafür, dass sich Sprecher beider Sprachen weitgehend verstehen.

Ist Bulgarisch eine slawische Sprache – und sind Bulgaren Slawen?

Ja. Bulgarisch ist eindeutig eine slawische Sprache des südslawischen Zweigs. Sprachlich und kulturell zählen die Bulgaren damit zu den Südslawen – auch wenn der Name des Landes auf die Protobulgaren zurückgeht, ein ursprünglich nicht-slawisches Reitervolk, das im frühen Mittelalter mit der slawischen Bevölkerung verschmolz. Durchgesetzt hat sich am Ende die slawische Sprache.

Verbreitungsgebiet des Bulgarischen

Praktisch jeder Einwohner von Bulgarien beherrscht das dort als Amtssprache festgelegte Bulgarisch. Das gilt sowohl für die von ethnischen Bulgaren gestellte Bevölkerungsmehrheit (rund 85 %) als auch für die nationalen Minderheiten wie Balkantürken (etwa 9 %) oder Roma (etwa 5 %). Jenseits der Landesgrenzen wird Bulgarisch vor allem in Nordmazedonien, der Ukraine, Rumänien und Serbien gesprochen.
Auch in der Türkei und Griechenland gibt es bulgarischsprechende Volksgruppen (Pomaken). In Deutschland leben etwa 50.000 Zuwanderer, die Bulgarisch als Erstsprache pflegen.
Sofia in Bulgarien – alles über die bulgarische Sprache und ihre Herkunft

Die Sprachgeschichte des Bulgarischen

Als eigenständige Sprache hat sich das Bulgarische im 9. Jahrhundert herausgebildet. Der Periode des Altbulgarischen, die großen Einfluss auf die Sprachentwicklung der Nachbarländer hatte, folgte vom 12. Jahrhundert bis zur Einverleibung Bulgariens in das Osmanische Reich im 14. Jahrhundert die Phase des Mittelbulgarischen. Am Anfang des 15. Jahrhunderts begann dann die bis heute andauernde Periode des Neubulgarischen. Dabei spielten im 19. Jahrhundert Gesichtspunkte der „Nationalen Wiedergeburt“ mit Rückdrängung türkischer Lehnwörter bei der Entwicklung der bulgarischen Schriftsprache eine wesentliche Rolle.
In der Umgangssprache sind allerdings zahlreiche türkische Anleihen erhalten geblieben. Im 19., 20. und 21. Jahrhundert ergänzten zudem vor allem in den Bereichen Kultur und Technik etliche Anglizismen sowie Lehnwörter aus dem Deutschen und dem Französischen den bulgarischen Wortschatz. Zu den deutschen Begriffen, die sich im Bulgarischen etablieren konnten, gehören unter anderem Autokran (Автокран = Awtokran) und Zeitnot (цайтнот = Zajtnot).
Überwogen zunächst die Einflüsse der westbulgarischen Mundarten mit ihren zahlreichen griechischen Lehnwörtern, wurden schließlich ostbulgarische Dialekte bei der mündlichen und schriftlichen Sprachentwicklung dominierend.
Die Nähe des Ostbulgarischen zum Russischen förderte die Entwicklung eines auf Russland ausgerichteten Panslawismus in Bulgarien. Neben den west- und ostbulgarischen Dialektgruppen sind für die Sprachlandschaft des Bulgarischen auch die im Süden des Landes gesprochenen Dialekte der mysischen Bulgaren (z. B. die Rhodopen-Dialekte) wichtig.

Ein paar erste Begrüßungen gefällig? Eine vollständige Liste findest du bei den gebräuchlichsten Floskeln auf Bulgarisch – zum Beispiel „Здравей“ (Zdravei) für „Hallo“ oder „Добро утро“ (Dobro utro) für „Guten Morgen“.

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Das kyrillische Alphabet im Bulgarischen

Typisch für die bulgarische Sprache ist ihre schriftliche Umsetzung durch das kyrillische Alphabet. Dessen einzelne Buchstaben werden im Bulgarischen aber häufig anders ausgesprochen als im Russischen, der Sprache, die dem kyrillischen System ursprünglich zugrunde liegt. Die Wurzeln reichen sogar weiter zurück: Vor dem kyrillischen Alphabet existierte die Glagoliza, die älteste slawische Schrift.
Mit seinem Alphabet hat das EU-Mitglied Bulgarien innerhalb der Europäischen Union eine Sonderstellung. Seit dem EU-Beitritt 2007 ist Kyrillisch die dritte offizielle Schrift der EU – sichtbar zum Beispiel auf den Euro-Banknoten, die seither auch die kyrillische Schreibweise „ЕВРО“ tragen.

Wie sieht das bulgarische Alphabet aus?

Das moderne bulgarische Alphabet besteht aus 30 Buchstaben. Wer Bulgarisch lernen möchte, sollte mit der Schrift beginnen, bevor er Vokabeln paukt – sonst bleibt man von lateinischer Umschrift abhängig und liest nie echte Texte. Den praktischen Einstieg, inklusive der wichtigsten Wörter, findest du in unserem Beitrag zu den wichtigsten Vokabeln auf Bulgarisch.

Häufige Fragen zur Herkunft des Bulgarischen

Woher kommt die bulgarische Sprache?

Bulgarisch ist eine südslawische Sprache, die sich im 9. Jahrhundert als eigenständige Schriftsprache herausbildete. Als Altbulgarisch war sie die erste verschriftlichte slawische Sprache überhaupt.

Welche Sprache ähnelt Bulgarisch am meisten?

Am engsten verwandt ist Bulgarisch mit dem Mazedonischen; beide gehören zum ostsüdslawischen Zweig und sind weitgehend gegenseitig verständlich. Auch zu Serbisch und Russisch bestehen Ähnlichkeiten.

Warum schreibt man Bulgarisch in kyrillischer Schrift?

Die kyrillische Schrift entstand im Ersten Bulgarischen Reich auf Basis der älteren Glagoliza und verbreitete sich von dort über die slawische Welt. Bulgarisch nutzt sie bis heute – seit 2007 als offizielle EU-Schrift.

Bulgarisch lernen – die nächsten Schritte

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Sven Mancini, Autor von Sprachfabrik24.de

Über den Autor: Sven Mancini

Ich bin Sprachlern-Autor und habe sechs Sprachen als Autodidakt gelernt. Auf Sprachfabrik24.de teile ich ehrliche Erfahrungen und gut recherchierte Sprachporträts – damit du eine Sprache und ihre Herkunft schnell einordnen kannst, bevor du mit dem Lernen startest. Mehr über mich.

Quellen & weiterführende Links: