Welche Sprache spricht man in Jordanien? Arabisch ist Amtssprache – gesprochen wird levantinisches Arabisch. Dazu Minderheitensprachen und Englisch. ✓
Jordanien ist mit rund 11,5 Millionen Einwohnern ein kleines Land mit einer sprachlich überraschend bewegten Geschichte. Dieser Artikel beantwortet die Frage, welche Sprache man in Jordanien spricht – und zwar genauer als mit dem Wort „Arabisch“. Denn welches Arabisch dort gesprochen wird, hat mit Beduinen, mit Flüchtlingsbewegungen und mit dem Unterschied zwischen Amman und der Provinz zu tun.
Die kurze Antwort
Amtssprache Jordaniens ist Arabisch – die einzige. Geschrieben und in Nachrichten, Verwaltung und Schule verwendet wird Hocharabisch, gesprochen wird im Alltag levantinisches Arabisch, umgangssprachlich auch Jordanisch genannt.
Praktisch alle Einwohner sprechen Arabisch als Muttersprache. Minderheitensprachen wie Tscherkessisch, Tschetschenisch, Armenisch und Domari kommen zusammen auf rund ein Prozent der Bevölkerung.
Als Fremdsprache dominiert Englisch klar. Es wird ab der Grundschule unterrichtet, ist an Universitäten teilweise Unterrichtssprache und im Tourismus Standard – in Amman und in Petra kommst du damit gut durch.
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Welche Sprache spricht man in Jordanien?
Vorab ein paar Eckdaten zum Land, weil sie die Sprachsituation direkt erklären.
Geographische Lage Jordaniens
Jordanien, offiziell das Haschemitische Königreich Jordanien, liegt im Nahen Osten und grenzt an Israel, das Westjordanland, Syrien, den Irak und Saudi-Arabien. Mit etwa 89.342 Quadratkilometern ist es ein kleines Land – gut ein Viertel der Fläche Deutschlands –, bietet aber sehr unterschiedliche Landschaften: Wüste im Osten, fruchtbare Täler im Westen.
Bekannt ist Jordanien für das Tote Meer, den tiefstgelegenen See der Erde mit einer Wasseroberfläche rund 430 Meter unter dem Meeresspiegel, und für die nabatäische Felsenstadt Petra, die seit 1985 UNESCO-Welterbe und seit 2007 eines der „neuen sieben Weltwunder“ ist.
Diese Lage zwischen Halbinsel, Levante und Mesopotamien macht Jordanien zu einer Kontaktzone – und genau das hört man der Sprache an.
Geschichte Jordaniens
Die Region war Heimat der Nabatäer, die Petra erbauten, später kamen Römer, Byzantiner und über vierhundert Jahre osmanische Herrschaft. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches stand das Gebiet unter britischem Mandat; 1946 wurde Jordanien unabhängig. Seitdem ist es eine der stabilsten Monarchien der Region.
Für die Sprache entscheidend ist aber nicht die alte, sondern die jüngere Geschichte: Jordanien hat innerhalb weniger Jahrzehnte mehrere große Zuwanderungswellen aufgenommen. Rund 1,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge leben im Land, dazu kamen ab 2011 mehrere Hunderttausend Syrer. Bei 11,5 Millionen Einwohnern verändert das eine Sprachlandschaft messbar.
Die offizielle Amtssprache in Jordanien
Die einzige Amtssprache Jordaniens ist Arabisch, eine semitische Sprache mit weltweit mehreren Hundert Millionen Sprechern.
Wichtig ist dabei eine Unterscheidung, an der viele Lernende scheitern: Arabisch existiert in Jordanien – wie überall in der arabischen Welt – in zwei Ebenen gleichzeitig.
- Hocharabisch (Modernes Standardarabisch) ist die Sprache von Gesetzen, Zeitungen, Nachrichtensendungen, Schulbüchern und Predigten. Niemand wächst damit als Muttersprache auf – man lernt es in der Schule.
- Levantinisches Arabisch ist die tatsächlich gesprochene Sprache: zu Hause, auf dem Markt, im Taxi, im Fernsehen bei Serien und Talkshows. Umgangssprachlich heißt die jordanische Variante davon auch Jordanisch.
Wer also „Jordanisch lernen“ will, lernt levantinisches Arabisch – dieselbe Dialektgruppe, die auch in Syrien, im Libanon, in Palästina und in Israel gesprochen wird. Die Unterschiede zwischen jordanischem, syrischem und libanesischem Arabisch sind eher wie die zwischen Bayerisch und Sächsisch als wie zwischen Deutsch und Niederländisch: Man versteht sich problemlos und hört sofort, woher der andere kommt.
Wie viele Einwohner sprechen die Amtssprache?
Praktisch die gesamte Bevölkerung Jordaniens spricht Arabisch als Muttersprache – die Angaben liegen bei über 97 Prozent. Arabisch ist in allen Lebensbereichen präsent, von familiären Gesprächen bis zu offiziellen Anlässen, und wird durch das Bildungssystem in seiner hocharabischen Form gefestigt. Arabisch ist zugleich die Sprache des Korans, und da über 90 Prozent der Jordanier Muslime sind, hat sie eine religiöse Dimension, die über den Alltag hinausgeht.
Der jordanische Dialekt: drei Sprachschichten in einem kleinen Land
Hier liegt das eigentlich Interessante, das in den meisten Länderprofilen fehlt. „Jordanisch“ ist keine einheitliche Sprechweise, sondern eine Mischung aus drei Schichten:
- Beduinisches Arabisch – die älteste Schicht, gesprochen im Osten und Süden sowie von den ursprünglich ansässigen Stämmen. Kennzeichen ist unter anderem, dass das q als hartes g ausgesprochen wird. Diese Variante gilt im Land als „ur-jordanisch“ und ist mit sozialem Prestige verbunden.
- Städtisches Arabisch von Amman – entstanden erst im 20. Jahrhundert, weil Amman von einem Dorf zur Millionenstadt wuchs. Es ist die jüngste Stadtsprache der Region und stark von palästinensischem Arabisch geprägt, weil ein großer Teil der Bewohner palästinensische Wurzeln hat.
- Ländliches Arabisch (Fellachen-Dialekte) – im Nordwesten, im Jordantal und in den Dörfern rund um Irbid, mit eigenen Lautmerkmalen.
Praktisch heißt das: Wenn du in Amman Arabisch hörst und dann nach Aqaba oder Kerak fährst, klingt es anders – und Jordanier hören einander die Herkunft in wenigen Sätzen an. Für Lernende ist das gute Nachricht und schlechte Nachricht zugleich. Gute: Wer die Amman-Variante lernt, wird überall verstanden, weil sie über Fernsehen und Musik bekannt ist. Schlechte: Es gibt kein „Standard-Jordanisch“ in Lehrbuchform. Kurse für levantinisches Arabisch orientieren sich meist am syrischen oder palästinensischen Dialekt – was für Jordanien vollkommen ausreicht.
Minderheitensprachen in Jordanien
Neben Arabisch gibt es mehrere Minderheitensprachen, die von Nachfahren von Zuwanderern gesprochen werden. Sie sind zahlenmäßig klein, aber sprachlich bemerkenswert, weil keine von ihnen semitisch ist:
- Tscherkessisch (Kabardinisch und Adygisch) – mit rund 100.000 Sprechern die größte Minderheitensprache. Die Tscherkessen kamen ab den 1870er-Jahren nach der russischen Eroberung des Kaukasus ins Osmanische Reich und siedelten in Amman, Suwaileh, Ar-Rusaifa und Az-Zarqa. Tscherkessen stellen traditionell die königliche Ehrengarde. Die Sprache gehört zur nordwestkaukasischen Familie und ist berühmt für ihren Konsonantenreichtum.
- Tschetschenisch – etwa 3.000 Sprecher in zwei bis drei Dörfern, ebenfalls Nachfahren kaukasischer Flüchtlinge des 19. Jahrhunderts.
- Westarmenisch – rund 8.000 Sprecher, vor allem in Amman, überwiegend Nachfahren von Überlebenden des Genozids von 1915.
- Domari – etwa 5.000 Sprecher. Eine indoarische Sprache, verwandt mit dem Romani und letztlich mit den Sprachen Nordindiens. Die Dom leben verstreut im ganzen Nahen Osten; Domari ist die linguistisch ungewöhnlichste Sprache Jordaniens.
- Dazu kommen kleinere Gruppen mit Turkmenisch, Aserbaidschanisch, Kurdisch und Griechisch.
Wie viele Menschen sprechen diese Sprachen?
Zusammengenommen sprechen etwa ein Prozent der Bevölkerung eine dieser Minderheitensprachen aktiv. Der Trend zeigt dabei klar in eine Richtung: Alle diese Sprachen verlieren an Boden, weil jüngere Generationen im Alltag Arabisch sprechen und die Herkunftssprache oft nur noch passiv beherrschen. Beim Tscherkessischen gibt es Gegenbewegungen – Kulturvereine und Sprachunterricht in Amman –, doch die Zahl aktiver Sprecher sinkt.
Ein häufiges Missverständnis: Immer wieder liest man, in Jordanien werde Aramäisch gesprochen. Das trifft nicht zu. Die christliche Minderheit Jordaniens – gut fünf Prozent der Bevölkerung – spricht Arabisch. Aramäisch kommt allenfalls als Liturgiesprache in einzelnen Kirchen vor, nicht als Alltagssprache. Lebendige aramäische Sprachgemeinschaften gibt es in Syrien, im Irak und in der Türkei, nicht in Jordanien.
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Welche Fremdsprachen werden in Jordanien gesprochen?
Englisch ist die klar dominierende Fremdsprache und in Jordanien weiter verbreitet als in vielen Nachbarländern:
- Schule: Englischunterricht beginnt in der Grundschule und ist Pflichtfach
- Universität: In Medizin, Ingenieurwesen und Wirtschaft ist Englisch oft Unterrichtssprache
- Beruf: Im Bankwesen, in der IT und bei internationalen Organisationen Standard – Jordanien ist ein wichtiger Standort für Hilfsorganisationen in der Region
- Tourismus: In Amman, Petra, Wadi Rum und Aqaba kommst du mit Englisch problemlos durch
- Alltag in Amman: In den westlichen Stadtteilen ist das Mischen von Arabisch und Englisch in einem Satz unter jüngeren Leuten normal
Deutsch spielt eine kleinere, aber bemerkenswerte Rolle: In Amman gibt es die Deutsch-Jordanische Universität, gegründet 2005 in Kooperation mit deutschen Hochschulen. Studierende verbringen dort einen Teil des Studiums in Deutschland, entsprechend gibt es echten Bedarf an Deutschunterricht. Dazu kommen das Goethe-Institut in Amman und Jordanier, die für Studium oder Arbeit nach Deutschland gehen.
Französisch wird in einigen Privatschulen und im diplomatischen Umfeld unterrichtet, spielt im Alltag aber kaum eine Rolle – anders als in den Maghreb-Staaten oder im Libanon, wo Französisch historisch tief verankert ist. Dieser Unterschied ist ein guter Indikator dafür, wie unterschiedlich die Kolonialgeschichten in der Levante verlaufen sind: Jordanien war britisch, der Libanon französisch – und das hört man bis heute.
Warum ausgerechnet Englisch?
Drei Gründe greifen zusammen. Erstens die Mandatszeit: Jordanien stand unter britischer Verwaltung, Englisch war Verwaltungs- und Bildungssprache. Zweitens die Wirtschaftsstruktur: Jordanien hat kein Öl und setzt auf Dienstleistungen, Bildung und Tourismus – alle drei brauchen Englisch. Drittens die Auswanderung: Sehr viele Jordanier arbeiten in den Golfstaaten oder im Westen, Rücküberweisungen sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Englisch ist dort die Eintrittskarte.
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Unser Tipp: Wer sich auf Jordanien vorbereitet, lernt kein „Jordanisch“, sondern Arabisch – am besten mit Fokus auf den levantinischen Dialekt. Die wichtigsten arabischen Wörter sind ein guter Startpunkt.
Häufig gestellte Fragen zur Sprache in Jordanien
Welche Sprache spricht man in Jordanien?
Arabisch ist die einzige Amtssprache und wird von über 97 Prozent der rund 11,5 Millionen Einwohner als Muttersprache gesprochen. Im Alltag ist es levantinisches Arabisch, umgangssprachlich Jordanisch genannt; in Schule, Verwaltung und Nachrichten Hocharabisch. Als Fremdsprache dominiert Englisch.
Was ist Jordanisch für eine Sprache?
Jordanisch ist keine eigene Sprache, sondern die jordanische Variante des levantinischen Arabisch – derselben Dialektgruppe wie Syrisch, Libanesisch und Palästinensisch. Wer Jordanisch lernen möchte, lernt levantinisches Arabisch. Kurse dafür orientieren sich meist am syrischen oder palästinensischen Dialekt, was für Jordanien vollkommen ausreicht.
Kann man in Jordanien mit Englisch durchkommen?
In Amman, Petra, Wadi Rum und Aqaba ja. Englisch ist Pflichtfach in der Schule, an Universitäten teils Unterrichtssprache und im Tourismus Standard. Abseits der Touristenrouten und in ländlichen Gebieten wird es dünner – dort helfen ein paar arabische Floskeln deutlich weiter.
Spricht man in Jordanien Aramäisch?
Nein. Das ist ein verbreitetes Missverständnis. Die christliche Minderheit Jordaniens spricht Arabisch. Aramäisch kommt allenfalls als Liturgiesprache in einzelnen Kirchen vor. Lebendige aramäische Sprachgemeinschaften gibt es in Syrien, im Irak und in der Türkei.
Welche Minderheitensprachen gibt es in Jordanien?
Die größte ist Tscherkessisch mit rund 100.000 Sprechern, gefolgt von Westarmenisch mit etwa 8.000, Domari mit etwa 5.000 und Tschetschenisch mit etwa 3.000 Sprechern. Dazu kommen kleinere Gruppen mit Turkmenisch, Aserbaidschanisch, Kurdisch und Griechisch. Zusammen etwa ein Prozent der Bevölkerung.
Versteht man mit jordanischem Arabisch auch Syrer und Libanesen?
Ja, ohne größere Probleme. Alle drei gehören zum levantinischen Arabisch. Die Unterschiede liegen in Aussprache und einzelnen Alltagswörtern, vergleichbar mit deutschen Regionalvarianten. Schwieriger wird es mit marokkanischem oder ägyptischem Arabisch.
Fazit: Welche Sprache spricht man in Jordanien?
Die kurze Antwort lautet Arabisch – die genauere ist interessanter. Jordanien spricht levantinisches Arabisch in drei Schichten: beduinisch geprägt im Osten und Süden, städtisch und palästinensisch beeinflusst in Amman, ländlich im Nordwesten. Darüber liegt Hocharabisch als Schrift- und Bildungssprache, daneben stehen kaukasische und indoarische Minderheitensprachen, die zusammen etwa ein Prozent ausmachen und langsam verschwinden.
Englisch ist als Fremdsprache so weit verbreitet, dass Reisende damit gut zurechtkommen. Wer aber ein paar Sätze levantinisches Arabisch mitbringt, erlebt Jordanien anders – Gastfreundschaft ist dort kein Klischee, sondern eine Erwartung, und sie beginnt mit der Begrüßung. Genau dort lohnt sich der Aufwand am meisten.
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Ich bin Sven Mancini, habe sechs Sprachen als Autodidakt gelernt und vier Bücher über Grundwortschatz geschrieben. Bei Länderseiten interessiert mich eine Frage mehr als alle anderen: Was lernst du konkret, wenn du dich auf dieses Land vorbereitest? Bei Jordanien ist die Antwort nicht „Jordanisch“, sondern levantinisches Arabisch – und diese Unterscheidung erspart dir viel vergeudete Zeit mit Kursen, die es nicht gibt. Mehr über mich und meinen Weg zu sechs Sprachen.
Quellen: