Die kasachische Schrift basiert auf einem erweiterten kyrillischen Alphabet mit 42 Buchstaben – doch das wird sich ändern. Kasachstan stellt bis 2031 offiziell auf die lateinische Schrift um. In diesem Artikel findest du alle Buchstaben des kasachischen Alphabets mit Aussprache, die Geschichte der Schriftwechsel und was die Umstellung für Kasachisch-Lerner bedeutet.

Als jemand, der in über 18 Jahren 6 Sprachen als Autodidakt gelernt hat, weiß ich: Eine neue Schrift ist anfangs die größte psychologische Hürde. Aber sie ist auch die am schnellsten überwindbare. Bei meiner Beschäftigung mit verschiedenen Schriftsystemen habe ich die Erfahrung gemacht, dass handschriftliches Üben – 15 Minuten am Tag – ausreicht, um ein neues Alphabet in 2 bis 3 Wochen zu verinnerlichen.
Das kasachische Alphabet auf einen Blick
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Aktuelle Schrift | Erweitertes kyrillisches Alphabet |
| Anzahl Buchstaben | 42 (33 russische + 9 kasachische Sonderbuchstaben) |
| Schreibrichtung | Links nach rechts |
| Schreibweise | Phonetisch – wird so geschrieben, wie es gesprochen wird |
| Geplante Umstellung | Lateinisches Alphabet mit 32 Buchstaben (bis 2031) |
| Lernzeit für Anfänger | 2–3 Wochen bei täglichem Üben |
Alle 42 Buchstaben des kasachischen Alphabets
Das kasachische kyrillische Alphabet enthält alle 33 Buchstaben des russischen Alphabets plus 9 Sonderbuchstaben, die spezifisch kasachische Laute darstellen. Diese Sonderbuchstaben sind für Kasachisch-Lerner besonders wichtig, da sie Laute abbilden, die im Russischen nicht existieren.
Die 9 kasachischen Sonderbuchstaben
| Buchstabe | Name | Aussprache | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Ә ә | Ä | Offenes „ä“ wie in „Bär“ | Әке (Äke) = Vater |
| Ғ ғ | Gh | Stimmhaftes Rachen-G (wie arab. Ghain) | Ғалым (Ghalym) = Wissenschaftler |
| Қ қ | Q | Tiefes K, weiter hinten im Rachen | Қала (Qala) = Stadt |
| Ң ң | Ng | Wie „ng“ in „Klang“ | Таң (Tañ) = Morgenröte |
| Ө ө | Ö | Wie deutsches „ö“ in „Öl“ | Өмір (Ömir) = Leben |
| Ұ ұ | U (kurz) | Kurzes, dunkles „u“ | Ұл (Ul) = Sohn |
| Ү ү | Ü | Wie deutsches „ü“ in „Tür“ | Үй (Üi) = Haus |
| Һ һ | H | Gehauchtes „h“ wie in „Haus“ | Һәм (Häm) = und (in einigen Dialekten) |
| І і | I (kurz) | Kurzes, helles „i“ | Ін (In) = Höhle |
Praktischer Hinweis: Für deutschsprachige Lerner sind Ә (ä), Ө (ö) und Ү (ü) am einfachsten – diese Laute kennst du bereits aus dem Deutschen. Die Rachen-Laute Ғ und Қ erfordern etwas Übung, da sie im Deutschen nicht vorkommen.

Vollständiges kyrillisches Alphabet in Reihenfolge
А, Ә, Б, В, Г, Ғ, Д, Е, Ё, Ж, З, И, Й, К, Қ, Л, М, Н, Ң, О, Ө, П, Р, С, Т, У, Ұ, Ү, Ф, Х, Һ, Ц, Ч, Ш, Щ, Ъ, Ы, І, Ь, Э, Ю, Я
Wer bereits Russisch kann, muss lediglich die 9 Sonderbuchstaben dazulernen. Die restlichen 33 sind identisch. Wer bei null startet, braucht für das komplette Alphabet bei täglichem Üben etwa 2 bis 3 Wochen – aus meiner Erfahrung mit verschiedenen Schriftsystemen ein realistischer Zeitrahmen.
Die Geschichte der kasachischen Schrift
Kasachisch hat im Laufe seiner Geschichte mehr Schriftwechsel durchgemacht als die meisten anderen Sprachen. Das liegt an den wechselnden politischen Mächten, die Zentralasien beeinflusst haben.
Arabische Schrift (bis 1929)
Bis 1929 wurde Kasachisch in einer modifizierten arabischen Schrift geschrieben. Diese Tradition geht auf die Islamisierung Zentralasiens zurück. Die arabische Schrift war jahrhundertelang das Schriftsystem für religiöse und literarische Texte. Allerdings war sie für die Darstellung kasachischer Vokale nicht ideal, da das arabische Alphabet primär Konsonanten abbildet.
Lateinische Schrift (1929–1940)
Im Zuge der Sowjetisierung wurde 1929 ein lateinisches Alphabet eingeführt – Teil einer größeren Bewegung, die viele Turksprachen betraf. Ziel war es, die kulturelle Verbindung zur islamischen Welt zu kappen und die Modernisierung voranzutreiben.
Kyrillische Schrift (ab 1940)
Bereits 1940 verordnete Stalin die Umstellung auf das kyrillische Alphabet. Der Grund war politisch, nicht linguistisch: Die kyrillische Schrift sollte die Bindung an Russland und die Sowjetunion stärken. Das Ergebnis – 42 Buchstaben für eine Sprache, deren Lautsystem eigentlich besser zur lateinischen Schrift passt – ist bis heute in Gebrauch.
Zurück zur lateinischen Schrift (ab 2017, geplant bis 2031)
2017 unterzeichnete Präsident Nasarbajew einen Erlass zur Umstellung auf ein neues lateinisches Alphabet mit 32 Buchstaben. Die Umstellung ist ein gewaltiges Projekt: Schulbücher, Straßenschilder, offizielle Dokumente, digitale Systeme – alles muss angepasst werden. Der vollständige Übergang soll bis 2031 abgeschlossen sein.
Für aktuelle Kasachisch-Lerner bedeutet das: Du wirst in Kursen und Lehrmaterialien noch die kyrillische Schrift vorfinden. Aber es lohnt sich, das neue lateinische Alphabet im Blick zu behalten – mittelfristig wird es zum Standard.
Einen umfassenden Überblick über die Schriftreform bietet der entsprechende Wikipedia-Artikel zum kasachischen Alphabet.

Kasachisch: Herkunft und Einordnung der Sprache
Kasachisch (Qazaq tili) gehört zum kiptschakischen Zweig der Turksprachen und ist damit verwandt mit Kirgisisch, Karakalpakisch und – etwas entfernter – mit Türkisch und Usbekisch. Die Sprache hat sich aus dem Tschagatai entwickelt, einer ausgestorbenen Turksprache, die einst als Lingua Franca in Zentralasien diente.
Wichtige Fakten zur kasachischen Sprache:
- Rund 15 Millionen Sprecher weltweit
- Staatssprache der Republik Kasachstan – neben Russisch als „Sprache der interethnischen Kommunikation“
- Laut Volkszählung sprechen etwa 64,4 % der 18 Millionen Einwohner Kasachstans Kasachisch als Muttersprache (Quelle: CIA World Factbook)
- Wird außerdem in China (Xinjiang), Usbekistan, der Mongolei, Russland und der Türkei gesprochen
Kasachisch und Russisch – Unterschied und Verhältnis
Obwohl Kasachisch und Russisch die gleiche kyrillische Schrift teilen, sind sie sprachlich nicht verwandt. Kasachisch ist eine Turksprache (agglutinierend, Vokalharmonie, SOV-Satzstellung), Russisch eine slawische Sprache (flektierend, SVO-Satzstellung). Die gemeinsame Schrift ist ein Erbe der Sowjetzeit, keine linguistische Verwandtschaft.
In der Praxis dominiert Russisch nach wie vor in vielen Bereichen des kasachischen Alltags – im Geschäftsleben, in den Medien und in der Verwaltung. Die kasachische Regierung fördert jedoch aktiv den Gebrauch von Kasachisch im Bildungswesen und im öffentlichen Leben.
Kasachisch und Türkisch – Die Turksprachen-Verbindung
Kasachisch und Türkisch teilen als Turksprachen grundlegende grammatische Strukturen: Vokalharmonie, Suffixe statt Präpositionen, Verb am Satzende. Es gibt auch gemeinsame Wortwurzeln – allerdings ist die gegenseitige Verständlichkeit begrenzt. Wer Türkisch spricht, hat beim Kasachisch-Lernen einen Startvorteil, wird die Sprache aber nicht einfach verstehen.
Dialekte des Kasachischen
Kasachisch kennt drei Hauptdialekte, die untereinander gut verständlich sind:
- Nordost-Kasachisch: Basis der Standardsprache („Hochkasachisch“)
- Süd-Kasachisch: Stärkere usbekische und persische Einflüsse
- West-Kasachisch: Einige Besonderheiten in Aussprache und Wortschatz
Kasachisch in Deutschland
In Deutschland lebt eine bedeutende Gemeinschaft von Spätaussiedlern aus Kasachstan – Nachfahren der Wolgadeutschen, die 1941 unter Stalin nach Kasachstan deportiert wurden und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nach Deutschland zurückkehrten. Viele von ihnen sprechen neben Deutsch und Russisch auch Kasachisch.

Kasachische Schrift lernen: Praktische Tipps
Aus meiner Erfahrung mit verschiedenen Schriftsystemen funktioniert folgende Herangehensweise am besten:
Woche 1: Lerne täglich 6–7 neue Buchstaben. Schreibe sie handschriftlich – das motorische Gedächtnis hilft enorm. Sprich jeden Buchstaben laut aus, während du ihn schreibst.
Woche 2: Beginne, einfache kasachische Wörter zu lesen. Nutze dafür unsere Liste der wichtigsten Wörter auf Kasachisch oder die geläufigsten Floskeln auf Kasachisch.
Woche 3: Lies kurze kasachische Texte – auch wenn du den Inhalt noch nicht verstehst. Es geht darum, die Buchstaben flüssig erkennen zu können.
Danach: Das Alphabet sitzt. Ab jetzt geht es an Wortschatz und Grammatik – dafür empfehle ich einen strukturierten Kurs. Der Kasachisch-Basiskurs von Sprachenlernen24* startet bei den Grundlagen und baut systematisch auf.
Einen umfassenden Überblick über alle Lernmethoden, Kurse und einen konkreten Lernplan findest du in unserem Hauptartikel Kasachisch lernen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Schrift nutzt Kasachisch?
Kasachisch wird aktuell in einer erweiterten kyrillischen Schrift mit 42 Buchstaben geschrieben. 33 davon stammen aus dem russischen Alphabet, 9 wurden speziell für kasachische Laute ergänzt. Bis 2031 ist die offizielle Umstellung auf ein lateinisches Alphabet geplant.
Wie viele Buchstaben hat das kasachische Alphabet?
Das kasachische Alphabet in der aktuellen kyrillischen Version hat 42 Buchstaben. Das geplante neue lateinische Alphabet soll 32 Buchstaben umfassen.
Wann stellt Kasachstan auf lateinische Schrift um?
Die Umstellung wurde 2017 per Präsidialerlass beschlossen. Der vollständige Übergang soll bis 2031 abgeschlossen sein. Aktuell befinden sich Schulbücher und offizielle Dokumente in der Übergangsphase.
Ist die kasachische Schrift schwer zu lernen?
Wer bereits das russische kyrillische Alphabet kennt, muss nur 9 zusätzliche Buchstaben lernen. Für komplette Einsteiger ist das kasachische Alphabet in 2–3 Wochen erlernbar, da die Schreibweise phonetisch ist – Kasachisch wird so geschrieben, wie es gesprochen wird.
Ist Kasachisch mit Russisch oder Türkisch verwandt?
Kasachisch ist eine Turksprache und damit mit Türkisch, Usbekisch und Kirgisisch verwandt – nicht mit Russisch. Russisch gehört zur slawischen Sprachfamilie. Die gemeinsame kyrillische Schrift ist historisch bedingt (Sowjetzeit), nicht sprachlich.
Weiterführende Artikel
- Kasachisch lernen – Kurse, Apps und Methoden im Vergleich
- Die geläufigsten Floskeln auf Kasachisch – Hallo, Danke, Tschüss und mehr
- Die wichtigsten Wörter auf Kasachisch – Grundwortschatz
- Welche Sprache spricht man in Kasachstan? – Amtssprachen & Sprachsituation
Über Sven – Sprachlern-Autor & Autodidakt
Ich bin Sven und habe in über 18 Jahren als Autodidakt 6 Sprachen gelernt – darunter drei mit nicht-lateinischen Schriftsystemen in der Lernphase. Meine Methoden habe ich in 4 Sprachlern-Büchern dokumentiert. Auf Sprachfabrik24 teile ich meine Erfahrungen mit Alphabeten, Lernmethoden und Sprachkursen – getestet aus der Praxis, nicht nur aus der Theorie.
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