Welche Sprache spricht man in Frankreich?

Dieser Artikel wurde zuletzt im Juni 2026 aktualisiert & geprüft.

Welche Sprache spricht man in Frankreich – Amtssprache und Regionalsprachen im Überblick

Frankreich – das Land der französischen Sprache, aber auch vieler kämpfender Regionalsprachen! Dieser umfassende Guide beantwortet alle Fragen: Welche Sprache spricht man in Frankreich? Warum gibt es keine regionalen Amtssprachen? Was ist die Académie française? Erfahre alles über die strikt zentralistische Sprachpolitik und die versteckte sprachliche Vielfalt der Grande Nation.

Quick Facts: Sprachen in Frankreich im Überblick

Kategorie Details
Offizielle Amtssprache Französisch (Français) – einzige!
Französisch-Sprecher Ca. 95% der Bevölkerung (64 Millionen)
Bevölkerung Ca. 68 Millionen Menschen (inkl. Überseegebiete)
Hauptstadt Paris – 2,1 Millionen (Metropolregion 12 Millionen)
Regionalsprachen Okzitanisch, Bretonisch, Elsässisch, Korsisch, Baskisch, Katalanisch, Flämisch
Status Regionalsprachen KEINE offiziellen Amtssprachen! (Frankreich erkennt sie nicht an)
Verfassungsartikel „Die Sprache der Republik ist Französisch“ (Art. 2)
Académie française Seit 1635 – „Wächter“ der französischen Sprache
Besonderheit Einziges EU-Land, das Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen NICHT ratifiziert hat!

Frankreich: Geographie und Geschichte

Geographische Lage

Frankreich liegt in Westeuropa und ist mit 643.801 km² (Metropolitan-Frankreich) das größte Land der EU:

  • Norden: Belgien, Luxemburg, Nordsee, Ärmelkanal
  • Osten: Deutschland, Schweiz, Italien
  • Süden: Spanien, Andorra, Mittelmeer
  • Westen: Atlantik

Überseegebiete (DOM-TOM):

  • Französisch-Guayana (Südamerika)
  • Martinique, Guadeloupe (Karibik)
  • Réunion, Mayotte (Indischer Ozean)
  • Französisch-Polynesien, Neukaledonien (Pazifik)

Diese Gebiete machen Frankreich zur zweitgrößten Ausschließlichen Wirtschaftszone der Welt.

Geschichte und Sprachpolitik

Mittelalter (5.–15. Jahrhundert)
Viele Sprachen in Frankreich: Langues d’oïl (Norden), Langues d’oc/Okzitanisch (Süden), Bretonisch, Baskisch, Flämisch u.a.

Ordonnance de Villers-Cotterêts (1539)
Franz I. macht Französisch zur Verwaltungssprache statt Latein. Beginn der Zentralisierung.

Französische Revolution (1789)
„Une langue, une nation“ – Eine Sprache, eine Nation! Jakobiner bekämpften Regionalsprachen als „Feinde der Republik“. Abbé Grégoire: „Es ist nötig, die Patois zu vernichten.“

19. Jahrhundert
Das Schulsystem verbietet Regionalsprachen. Kinder wurden für das Sprechen von Bretonisch oder Okzitanisch bestraft – mit dem „symbole“, einem Schandezeichen.

Verfassung 1958
Artikel 2: „La langue de la République est le français“ – Französisch erhält Verfassungsrang.

Loi Toubon (1994)
Gesetz zum Schutz der französischen Sprache gegen Englisch. Französisch wird Pflicht in Werbung, Arbeitsverträgen und auf Veranstaltungen.

Heute
Langsame Renaissance der Regionalsprachen, aber kein offizieller Status. Frankreich lehnt die Europäische Sprachencharta als einziges EU-Land weiterhin ab.

Sprachpolitik Frankreich – Geschichte der Zentralisierung der französischen Sprache

Die einzige Amtssprache: Französisch

Französisch (Français) ist die einzige offizielle Sprache Frankreichs – verfassungsrechtlich geschützt.

Was ist Französisch?

Sprachfamilie: Romanisch (aus Latein), indogermanisch
Verwandt mit: Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Rumänisch, Katalanisch

Sprecher weltweit:

  • Muttersprachler: 80 Millionen
  • Total (inkl. Zweitsprache): 300 Millionen
  • 5. meistgesprochene Sprache der Welt

Verbreitung:

  • Frankreich, Belgien (Wallonien), Schweiz (Romandie), Luxemburg, Monaco
  • Kanada (Québec), Louisiana (USA)
  • Afrika: 29 Länder (ehemals Französisch-Afrika)
  • Pazifik, Karibik (Überseegebiete)

Internationale Organisation der Francophonie (OIF): 88 Mitgliedsstaaten.

Besonderheiten des Französischen

Grammatik:

  • 2 Geschlechter (maskulin, feminin)
  • Komplexe Verbkonjugation (viele unregelmäßige Verben)
  • Liaison (Bindung zwischen Wörtern)
  • Stumme Endkonsonanten
  • Subjekt-Verb-Objekt (SVO)

Zahlensystem: Französisch nutzt ab 70 ein Vigesimalsystem (Basis 20) – warum quatre-vingts „vier mal zwanzig“ bedeutet, erklärt unser Zahlen-Artikel.

Aussprache:

  • Viele Nasalvokale (on, an, in, un)
  • R gutturral (Rachen-R)
  • Stumme Buchstaben (Paris = „Pari“)
  • Intonation melodisch

Académie française: Seit 1635 entscheiden 40 „Unsterbliche“ über Sprachregeln und neue Wörter. Die Institution bekämpft Anglizismen konsequent – sie empfiehlt „ordinateur“ statt „computer“ und „courriel“ statt „email“.

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Regionalsprachen – Die kämpfende Vielfalt

Frankreich hat 75 Regionalsprachen, aber keine hat offiziellen Status. Alle sind bedroht.

1. Okzitanisch (Occitan) – Südfrankreich

  • Sprecher: 100.000–600.000 aktiv (mehrere Millionen verstehen es passiv)
  • Region: Südfrankreich (Toulouse, Marseille, Montpellier)
  • Status: UNESCO: „definitiv gefährdet“

Okzitanisch (langue d’oc) war im Mittelalter Literatursprache der Troubadoure. Heute: starker Rückgang, die junge Generation lernt es kaum noch.

2. Bretonisch (Brezhoneg) – Bretagne

  • Sprecher: 200.000 aktiv
  • Region: Bretagne (Rennes, Brest)
  • Sprachfamilie: Keltisch – verwandt mit Walisisch und Kornisch!
  • Status: UNESCO: „ernsthaft gefährdet“

Zweisprachige Schulen (Diwan) versuchen die Sprache zu retten. Straßenschilder sind manchmal zweisprachig – trotz offizieller Ablehnung durch den Staat.

3. Elsässisch (Elsassisch) – Elsass

  • Sprecher: 500.000 (stark sinkend)
  • Region: Elsass (Straßburg, Mulhouse)
  • Sprachfamilie: Alemannisch-Deutsch

Historisch deutsch, nach 1945 zunehmend unterdrückt. Ältere Generation spricht es, junge kaum. Die Nähe zu Deutschland macht es politisch sensibel.

4. Korsisch (Corsu) – Korsika

  • Sprecher: 150.000
  • Region: Korsika (Ajaccio, Bastia)
  • Sprachfamilie: Italienisch (Toskanisch)

Korsika hat weitgehende Autonomie, aber Korsisch ist keine Amtssprache. Napoleon Bonaparte war Korse und sprach Korsisch als Kind.

5. Baskisch (Euskara) – Baskenland

  • Sprecher: 80.000 in Frankreich (900.000 in Spanien)
  • Region: Französisches Baskenland (Bayonne, Biarritz)
  • Sprachfamilie: Isoliert – keine Verwandten!

Älteste Sprache Westeuropas. In Spanien co-offiziell, in Frankreich nicht anerkannt.

6. Katalanisch (Català) – Roussillon

  • Sprecher: 100.000 in Frankreich
  • Region: Nordkatalonien (Perpignan)

In Spanien (Katalonien, Barcelona) haben Millionen Sprecher die Sprache lebendig gehalten. In Frankreich ist sie marginalisiert.

7. Flämisch (Vlaams) – Nordfrankreich

  • Sprecher: 20.000–50.000
  • Region: Nord-Pas-de-Calais (Dunkerque)
  • Sprachfamilie: Niederländisch

Grenzgebiet zu Belgien (Flandern). Wird kaum noch aktiv gesprochen.

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TEST:

Regionalsprachen Frankreich – Karte der sprachlichen Vielfalt

Fremdsprachen in Frankreich

1. Englisch

Englisch ist Pflichtfach in französischen Schulen, aber das Niveau liegt deutlich unter dem nordeuropäischer Länder.

  • Paris & Großstädte: Junge Menschen sprechen oft gut Englisch, Hotels und Restaurants kommen zurecht
  • Ländliche Gebiete: Wenig bis kein Englisch, ältere Generation oft gar nicht
  • Business: Englisch gewinnt an Bedeutung – trotz Loi Toubon
  • Mentalität: Franzosen sind stolz auf ihre Sprache; wer Französisch versucht, wird herzlicher empfangen

2. Spanisch

Zweitbeliebteste Fremdsprache in französischen Schulen – bedingt durch geografische Nähe und die große spanischsprachige Welt.

3. Deutsch

Wichtig wegen der gemeinsamen Grenze, den engen Wirtschaftsbeziehungen (Deutschlands Anteil als größter Handelspartner) und der EU-Zusammenarbeit.

4. Arabisch

Durch Zuwanderung aus Nordafrika (Algerien, Marokko, Tunesien) ist Arabisch nach Französisch die am weitesten verbreitete Alltagssprache – gesellschaftlich aber kontrovers diskutiert.

Nützliche französische Reisesätze

Die wichtigsten Vokabeln für den Einstieg – von Begrüßungen bis Fragewörter – haben wir in unserem Artikel Die wichtigsten Wörter auf Französisch zusammengestellt.

Deutsch Französisch (Aussprache)
Hallo / Guten Tag Bonjour (Bonschur)
Guten Abend Bonsoir (Bongsoar)
Auf Wiedersehen Au revoir (O rewoa)
Tschüss (informell) Salut (Salü)
Ja / Nein Oui / Non (Wi / Nong)
Danke (sehr) Merci (beaucoup) (Märsi [boku])
Bitte / Gern geschehen S’il vous plaît / De rien (Sil wu ple / De riäng)
Entschuldigung Pardon / Excusez-moi (Pardong / Exküse-moa)
Ich verstehe nicht Je ne comprends pas (Sche ne kongprang pa)
Sprechen Sie Englisch? Parlez-vous anglais? (Parle-wu angläh)
Wie viel kostet das? Combien ça coûte? (Kongbiäng sa kut)
Wo ist…? Où est…? (U ä)

Wer tiefer einsteigen möchte, findet in unserem Artikel Französisch für den Urlaub über 80 Sätze und Reiseausdrücke mit Lautschrift. Den vollständigen Methodenvergleich mit Kursen und Preisen bietet der Ratgeber Französisch lernen.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Sprache spricht man in Frankreich?

In Frankreich spricht man Französisch (Français) als einzige offizielle Amtssprache. Ca. 95% der 68 Millionen Einwohner sprechen Französisch. Die Verfassung (Artikel 2) legt fest: „Die Sprache der Republik ist Französisch.“ Daneben gibt es ca. 75 Regionalsprachen (Okzitanisch, Bretonisch, Elsässisch, Korsisch, Baskisch, Katalanisch), aber keine hat offiziellen Status. Frankreich ist das einzige EU-Land, das die Europäische Sprachencharta nicht ratifiziert hat.

Wie viele Sprachen gibt es in Frankreich?

Frankreich hat offiziell eine Amtssprache: Französisch. Daneben existieren ca. 75 Regionalsprachen, darunter Okzitanisch, Bretonisch, Elsässisch, Korsisch, Baskisch und Katalanisch. Keine dieser Sprachen hat einen offiziellen Status. Hinzu kommen Einwanderungssprachen wie Arabisch und Berber sowie internationale Sprachen wie Englisch und Spanisch.

Welche Sprachen werden in Frankreich gesprochen?

Gesprochen werden: Französisch (Muttersprache von ~80% der Bevölkerung), Arabisch (größte Einwanderersprache, besonders aus Nordafrika), Englisch (Fremdsprache, besonders unter Jüngeren und in Städten), und zahlreiche Regionalsprachen wie Okzitanisch (Südfrankreich), Bretonisch (Bretagne), Elsässisch (Elsass) und Korsisch. Alle Regionalsprachen sind von der UNESCO als bedroht eingestuft.

Warum erkennt Frankreich keine Regionalsprachen an?

Aus historisch-politischen Gründen: Die Französische Revolution propagierte „Une langue, une nation“ – Regionalsprachen galten als Feinde der Republik. Die Verfassung von 1958 verankerte Französisch als einzige Staatssprache. Der Verfassungsrat blockiert die Ratifizierung der Europäischen Sprachencharta, weil sie die „Einheit der Republik gefährden“ würde. Diese jakobinische Tradition der sprachlichen Einheit ist bis heute prägend.

Spricht man in Frankreich Englisch?

Ja, aber weniger als in Nordeuropa. In Paris und Großstädten sprechen viele junge Menschen Englisch, Hotels und Restaurants kommen gut zurecht. In ländlichen Gebieten und bei der älteren Generation ist Englisch oft sehr begrenzt. Tipp: Ein paar französische Höflichkeitsfloskeln – zumindest „Bonjour“ und „Merci“ – öffnen Türen, die reines Englisch verschlossen lässt.

Was ist die Académie française?

Die Académie française ist seit 1635 die Institution zur Pflege der französischen Sprache. 40 „Unsterbliche“ Mitglieder auf Lebenszeit legen offizielle Grammatik und Wortschatz fest und beurteilen neue Wörter. Die Akademie bekämpft konsequent Anglizismen – sie empfiehlt etwa „ordinateur“ statt „computer“ und „courriel“ statt „email“. Kritiker sehen darin vergeblichen Widerstand gegen natürliche Sprachentwicklung.

Sind Regionalsprachen in Frankreich vom Aussterben bedroht?

Ja, fast alle sind bedroht. Bretonisch hat seit 1950 über 90% seiner Sprecher verloren (UNESCO: „ernsthaft gefährdet“). Okzitanisch gilt als „definitiv gefährdet“. Ohne staatliche Anerkennung, ohne Schulpflicht und ohne Medienpräsenz ist Rettung extrem schwierig. Zweisprachige Privatschulen wie die Diwan-Schulen für Bretonisch sind lobenswerte Initiativen – aber kein Ersatz für staatliche Unterstützung.

Warum ist Französisch in Afrika so verbreitet?

Frankreich hatte ein riesiges Kolonialreich in Afrika. 29 afrikanische Länder haben Französisch als Amtssprache beibehalten – als neutrale Lingua franca zwischen vielen lokalen Sprachen, als Bildungssprache und als Zugang zur frankophonen Welt. Heute hat Afrika mehr Französischsprecher als Europa, und dieser Anteil wächst durch das Bevölkerungswachstum weiter.

Was ist das Loi Toubon?

Das Loi Toubon von 1994 schützt Französisch vor Anglizismen: Werbung, Arbeitsverträge, öffentliche Veranstaltungen, Radio- und TV-Sendungen müssen auf Französisch sein. Verstöße werden mit Geldbußen belegt. In der Praxis wird das Gesetz nicht immer streng durchgesetzt – „weekend“ und „parking“ sind trotzdem alltäglich. Es zeigt aber den französischen Sprachstolz und die aktive staatliche Sprachpolitik.

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Fazit: Frankreich – Eine Sprache, viele Kämpfe

Frankreich präsentiert eine paradoxe Sprachsituation: Extreme Zentralisierung nach außen, versteckte Vielfalt im Inneren. Die verfassungsrechtliche Festlegung auf Französisch als einzige Sprache ist in Europa einzigartig strikt.

Die Geschichte zeigt: Französisch wurde bewusst als nationale Einheitssprache durchgesetzt, oft gewaltsam – von der Ordonnance de Villers-Cotterêts (1539) über die Französische Revolution bis zum Schulverbot von Regionalsprachen im 19. Jahrhundert.

Die 75 Regionalsprachen sind Zeugen einer Vielfalt, die fast ausgelöscht wurde. Okzitanisch war Sprache der Troubadoure, Bretonisch keltisches Erbe, Baskisch die älteste Sprache Westeuropas – alle heute von der UNESCO als bedroht eingestuft.

Für Besucher bedeutet das: Französisch ist essentiell. Auch wenn viele Franzosen Englisch können, wird das Bemühen um Französisch sehr geschätzt. Ein „Bonjour“ und „Merci“ öffnen mehr Türen als perfektes Englisch.

Für den Einstieg eignen sich Apps zum Französisch lernen – auch 10 Minuten täglich reichen, um die wichtigsten Floskeln zu verinnerlichen. Die Zukunft der Sprache selbst ist klar: Französisch bleibt dominant und wächst global – besonders in Afrika.

Quellen:

Sven Mancini – Sprachlern-Autor und Autodidakt

Über den Autor: Sven Mancini

Sven ist Sprachlern-Autor und hat in über 20 Jahren als Autodidakt 6 Sprachen gelernt – darunter Französisch als vierte Fremdsprache nach drei skandinavischen Sprachen. Den Wechsel von einer germanischen zu einer romanischen Sprachfamilie hat er selbst erlebt und in seinem Buch „Französisch Grundwortschatz“ dokumentiert. Seit 2014 teilt er auf Sprachfabrik24 ehrliche Erfahrungen aus der Praxis.

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