
Island stellt eine der faszinierendsten Sprachlandschaften Europas. Isländisch ist die einzige Amtssprache – und eine der konservativsten Sprachen der Welt: Ein heutiger Isländer kann mittelalterliche Sagas aus dem 13. Jahrhundert noch weitgehend im Original lesen. Kein Wunder, dass Sprachwissenschaftler Island als lebendiges Sprachlabor bezeichnen. Dieser Artikel beantwortet, welche Sprache man in Island spricht, und erklärt, was Isländisch so besonders macht.
Die Amtssprache Islands ist Isländisch (Íslenska), gesprochen von rund 93 % der ca. 370.000 Einwohner als Muttersprache. Isländisch ist eine nordgermanische Sprache, die dem Altnordischen der Wikinger bis heute erstaunlich ähnlich ist. Englisch wird von fast allen Isländern als Zweitsprache beherrscht. Dänisch ist Pflichtfach in der Schule (historisches Erbe der dänischen Kolonialherrschaft bis 1944). Größte Migrantensprache ist Polnisch.
Steckbrief: Sprachen in Island
| Amtssprache | Isländisch (Íslenska) |
|---|---|
| Isländisch-Sprecher | ca. 93 % der Bevölkerung als Muttersprache |
| Einwohner | ca. 370.000 |
| Hauptstadt | Reykjavík (nördlichste Hauptstadt der Welt) |
| Region | Nordatlantik, Nordeuropa |
| Sprachfamilie | Nordgermanisch (Indoeuropäisch) |
| Verwandte Sprachen | Färöisch, Norwegisch, Dänisch, Schwedisch |
| Pflichtfremdsprache | Englisch (ab Grundschule), Dänisch (Schulpflicht) |
| Größte Migrantensprache | Polnisch (ca. 3 % der Bevölkerung) |
Isländisch – die Amtssprache
Isländisch (Íslenska) ist eine nordgermanische Sprache und direkt aus dem Altnordischen hervorgegangen – der Sprache der Wikinger. Was Isländisch von allen anderen germanischen Sprachen unterscheidet: Es hat sich in rund 1.000 Jahren kaum verändert. Während Dänisch, Schwedisch und Norwegisch sich stark vereinfachten und viele Fremdwörter aufnahmen, blieb Isländisch durch die geografische Isolation der Insel außergewöhnlich konservativ.
Das Ergebnis ist sprachhistorisch einmalig: Heutige Isländer können die mittelalterlichen Isländersagas aus dem 12. und 13. Jahrhundert noch weitgehend im Original lesen – als würde ein Deutscher heute problemlos Mittelhochdeutsch verstehen. Das ist linguistisch außergewöhnlich.
Sprachreinheit als Prinzip
Island verfolgt aktiv eine Politik der Sprachreinheit: Fremdwörter werden systematisch durch neu gebildete isländische Begriffe ersetzt, die auf altnordischen Wurzeln basieren. Das Telefon heißt „sími“ (ursprünglich „Faden“ – eine Anspielung auf Telegrafenleitungen), der Computer „tölva“ (ein Kunstwort aus „tala“ = Zahl und „völva“ = Prophetin), das Mobiltelefon „farsími“ (Reisefaden). Diese bewusste Sprachpflege macht Isländisch zu einem der wenigen modernen Beispiele gelenkter Sprachentwicklung.
Wie spricht man „Reykjavík“ aus?
Eine häufige Frage von Island-Reisenden: Reykjavík wird ungefähr „Rei-kja-wik“ ausgesprochen – das „j“ klingt wie ein weiches „j“, das „í“ wie ein langes „i“. Der Name bedeutet wörtlich „Rauchbucht“ – benannt nach den Dampfschwaden der heißen Quellen, die Ingólfur Arnarson bei der Landnahme 874 sah.

Ist Isländisch mit Dänisch oder Schwedisch verwandt?
Ja – alle vier skandinavischen Sprachen (Isländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch) stammen vom Altnordischen ab. Aber: Isländisch ist der gemeinsamen Urform am nächsten geblieben, während Dänisch, Schwedisch und Norwegisch sich durch gegenseitige Beeinflussung und vereinfachte Grammatik stark verändert haben.
Dänisch und Schwedisch sind für Sprecher der jeweils anderen Sprache weitgehend verständlich. Isländisch dagegen ist für Skandinavier ohne Vorkenntnisse kaum verständlich – die archaische Grammatik mit vier Fällen, drei Genera und komplexer Verbkonjugation hat sich erhalten, während sie in den anderen nordischen Sprachen weitgehend verschwunden ist. Färöisch, gesprochen auf den Färöer-Inseln, ist Isländisch von allen lebenden Sprachen am ähnlichsten.

Fremdsprachen in Island
Englisch ist die meistgesprochene Fremdsprache und wird von nahezu allen Isländern fließend beherrscht – eine der höchsten Englischquoten in Europa. Filme und Serien werden in Island nicht synchronisiert, sondern nur untertitelt, was den Englischerwerb von Kindheit an fördert. Als Besucher kommt man in Island problemlos mit Englisch durch – in Reykjavík ebenso wie in abgelegenen Regionen.
Dänisch ist historisch bedingt Pflichtfach in isländischen Schulen. Island stand bis 1944 unter dänischer Herrschaft, und Dänisch gilt als Schlüssel zu den anderen skandinavischen Sprachen. In der Praxis wird es heute weniger aktiv gesprochen als Englisch, bleibt aber im Bildungssystem verankert. Mehr: Welche Sprache spricht man in Dänemark?
Deutsch erfreut sich wachsender Beliebtheit, besonders bei Jugendlichen – durch wirtschaftliche Verbindungen und den Deutschlandtourismus isländischer Schüler.
Migrantensprachen in Island
Island hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten zum Zielland für Arbeitsmigranten entwickelt, was die Sprachlandschaft merklich verändert hat. Polnisch ist mit rund 3 % die größte Migrantensprache – eine direkte Folge der EU-Erweiterung 2004. In einigen Gemeinden und Branchen (Fischerei, Dienstleistung) gibt es bereits etablierte polnische Sprachgemeinschaften.
Litauisch (ca. 1 %) und Tagalog/Philippinisch folgen auf den weiteren Plätzen. Schulen und Behörden reagieren zunehmend mit mehrsprachigen Angeboten auf diese Entwicklung.
Nützliche Isländisch-Reisesätze
Isländisch klingt für deutsche Ohren fremdartig – aber ein paar Grundsätze werden sehr geschätzt.
| Deutsch | Isländisch | Aussprache |
|---|---|---|
| Hallo | Halló / Hæ | Hal-lo / Hai |
| Guten Morgen | Góðan daginn | Go-dan da-jin |
| Auf Wiedersehen | Bless / Bless bless | Bless |
| Danke | Takk / Takk fyrir | Tak / Tak fi-rir |
| Bitte | Gjörðu svo vel | Gjör-du svo vel |
| Ja / Nein | Já / Nei | Jau / Nei |
| Entschuldigung | Fyrirgefðu | Fi-rir-gew-du |
| Wie viel kostet das? | Hvað kostar þetta? | Kvad kostar thet-ta? |
| Ich verstehe nicht | Ég skil ekki | Jeg skil ek-ki |
| Sprechen Sie Englisch? | Talar þú ensku? | Ta-lar thu ens-ku? |
| Prost! | Skál! | Skaul! |
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Weitere Länder in der Region
Island ist Teil der nordgermanischen Sprachfamilie – die Nachbarsprachen sind verwandt:
- Welche Sprache spricht man in Dänemark? – historisch eng mit Island verbunden
- Welche Sprache spricht man in Schweden?
- Welche Sprache spricht man in Finnland? – linguistisch eigenständig, kein germanischer Ursprung

Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Sprache spricht man in Island?
Die Amtssprache Islands ist Isländisch (Íslenska), gesprochen von rund 93 % der ca. 370.000 Einwohner. Englisch wird von nahezu allen Isländern fließend beherrscht. Dänisch ist Schulpflicht (historisches Erbe der dänischen Herrschaft bis 1944). Größte Migrantensprache ist Polnisch mit rund 3 % der Bevölkerung.
Was ist die offizielle Sprache Islands – und ist es Englisch?
Die einzige offizielle Amtssprache Islands ist Isländisch, nicht Englisch. Englisch wird zwar von fast allen Isländern fließend gesprochen und ist im Alltag sehr präsent – hat aber keinen offiziellen Amtssprachenstatus. Als Tourist kommt man mit Englisch überall problemlos zurecht.
Wie spricht man in Island – versteht man Englisch?
Ja – Island hat eine der höchsten Englischquoten in Europa. Nahezu alle Isländer sprechen Englisch fließend, da Filme und Serien untertitelt statt synchronisiert werden und Englisch ab der Grundschule unterrichtet wird. In Reykjavík wie in abgelegenen Regionen kommt man mit Englisch problemlos durch.
Ist Isländisch mit Dänisch oder Schwedisch verwandt?
Ja – alle vier Sprachen stammen vom Altnordischen ab. Isländisch hat sich aber am wenigsten verändert und ist für heutige Dänen und Schweden ohne Vorkenntnisse kaum verständlich. Die Grammatik mit vier Fällen und drei Genera blieb erhalten, während sie in den anderen nordischen Sprachen weitgehend verschwunden ist. Färöisch ist Isländisch von allen lebenden Sprachen am ähnlichsten.
Wie spricht man „Reykjavík“ aus?
Reykjavík wird ungefähr „Rei-kja-wik“ ausgesprochen – das „j“ wie ein weiches „j“, das „í“ als langes „i“. Der Name bedeutet „Rauchbucht“ und bezieht sich auf die Dampfschwaden der heißen Quellen, die der erste Siedler Ingólfur Arnarson 874 sah.
Warum ist Isländisch so schwer zu lernen?
Isländisch gilt als eine der schwierigsten europäischen Sprachen: vier grammatische Fälle, drei Genera, komplexe Verbkonjugation und eine Aussprache mit Lauten, die es im Deutschen nicht gibt (z. B. das stimmlose „hl“, „hn“ oder das Eth „ð“). Dazu kommt eine aktive Sprachreinheitspolitik, die Neologismen schafft statt Fremdwörter zu übernehmen. Wer Isländisch ernsthaft lernen will, braucht Geduld – und am besten einen längeren Aufenthalt auf der Insel.
Fazit
Island ist sprachlich ein Sonderfall in Europa: eine Amtssprache, die seit tausend Jahren nahezu unverändert geblieben ist, eine aktive Sprachreinheitspolitik und eine Bevölkerung, die Englisch nahezu perfekt beherrscht – ohne dass es offiziellen Status hat. Wer Island bereist, findet in Englisch einen zuverlässigen Begleiter. Wer tiefer in die isländische Kultur eintauchen will, begegnet einer Sprache von faszinierender historischer Tiefe.
Quellen:
Sven ist Sprachlern-Autor und hat Norwegisch auf Business-Niveau gelernt – eine nordgermanische Sprache aus derselben Sprachfamilie wie Isländisch. Auf Sprachfabrik24.de teilt er seit 2014 Hintergrundwissen zu Sprachen weltweit.
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