
Rumänisch ist die einzige romanische Sprache in Osteuropa – umgeben von slawischen und ungarischen Nachbarn, aber mit Wurzeln, die direkt ins antike Latein zurückreichen. Wer diese Sprache verstehen will, muss ihre ungewöhnliche Geschichte kennen.
Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit Sprachen und habe als Autodidakt unter anderem Französisch gelernt – also eine direkte Schwestersprache des Rumänischen. Dabei ist mir aufgefallen, wie viele Parallelen es gibt, aber auch, wie eigenständig sich Rumänisch entwickelt hat. In diesem Artikel zeige ich dir, woher die rumänische Sprache stammt, was sie so besonders macht und wo sie heute gesprochen wird.
Kurz & knapp – Rumänische Sprache auf einen Blick:
- Sprachfamilie: Romanisch (indoeuropäisch) – verwandt mit Italienisch, Französisch, Spanisch
- Ursprung: Vulgärlatein der römischen Provinz Dacia (106–271 n. Chr.)
- Sprecher weltweit: ca. 24–26 Millionen Muttersprachler
- Amtssprache in: Rumänien und Republik Moldau
- Alphabet: Lateinisch mit 5 Sonderzeichen (ă, â, î, ș, ț)
- Ähnlichste Sprache: Italienisch (~77% lexikalische Übereinstimmung)
Woher kommt die rumänische Sprache? Herkunft und Ursprung
Die rumänische Sprache entstand aus dem Vulgärlatein, das die römischen Siedler und Soldaten in die Provinz Dacia brachten. Kaiser Trajan eroberte das Gebiet im Jahr 106 n. Chr., und in den folgenden 165 Jahren romanisierten die Römer die Region gründlich – Straßen, Städte und eine neue Sprache inklusive.
Als sich Rom 271 n. Chr. aus Dacia zurückzog, blieb die romanisierte Bevölkerung zurück. Es entstand das sogenannte Proto-Rumänische, das sich zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert als eigenständige Sprache herausbildete. In dieser Zeit formten slawische, gotische, ungarische und später osmanische Einflüsse den Wortschatz – aber die lateinische Grundstruktur blieb erhalten.
Aus meiner Erfahrung mit romanischen Sprachen kann ich sagen: Wenn du dir rumänische Texte anschaust, erkennst du die lateinische Basis sofort. Wörter wie „apă“ (Wasser, vgl. lat. aqua), „bun“ (gut, vgl. lat. bonus) oder „noapte“ (Nacht, vgl. lat. noctem) zeigen die direkte Verbindung.

Ist Rumänisch eine romanische oder eine slawische Sprache?
Diese Frage taucht immer wieder auf – und die Antwort ist eindeutig: Rumänisch ist eine romanische Sprache. Es gehört zur selben Sprachfamilie wie Italienisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch. Alle diese Sprachen stammen vom Lateinischen ab.
Was viele verwirrt: Rumänisch hat durch Jahrhunderte der Nachbarschaft zu slawischen Völkern etwa 10–15 % slawische Lehnwörter aufgenommen. Auch die kyrillische Schrift wurde zeitweise verwendet. Aber die Kerngrammatik, die Satzstruktur und der Grundwortschatz sind romanisch.
Als ich angefangen habe, Französisch zu lernen, ist mir aufgefallen, wie viele Strukturen ich aus dem Rumänischen wiedererkannt hätte – und umgekehrt. Beide Sprachen haben bestimmte und unbestimmte Artikel, konjugieren Verben ähnlich und teilen Hunderte von Alltagswörtern.
Sprachfamilie im Vergleich:
| Deutsch | Rumänisch | Italienisch | Französisch | Latein |
|---|---|---|---|---|
| Wasser | apă | acqua | eau | aqua |
| gut | bun | buono | bon | bonus |
| Nacht | noapte | notte | nuit | noctem |
| Milch | lapte | latte | lait | lactem |
| Erde | pământ | terra (pavimento) | terre (pavement) | pavimentum |
Die Tabelle zeigt: Rumänisch ist dem Italienischen am ähnlichsten. Die lexikalische Übereinstimmung liegt laut Ethnologue bei rund 77 %.
Was macht die rumänische Sprache so besonders?
Rumänisch hat einige Merkmale bewahrt, die in anderen romanischen Sprachen längst verschwunden sind:
1. Der nachgestellte Artikel
Während Italienisch „il libro“ (das Buch) sagt, hängt Rumänisch den Artikel hinten an: „cartea“ (carte + a). Das gibt es in keiner anderen romanischen Sprache – aber im Bulgarischen und Albanischen, was auf den gemeinsamen Balkan-Sprachbund hinweist.
2. Erhaltene Kasusformen
Rumänisch hat noch Reste der lateinischen Deklination bewahrt. Es unterscheidet zwischen Nominativ/Akkusativ und Genitiv/Dativ – ein Merkmal, das Französisch, Spanisch und Italienisch komplett verloren haben.
3. Der Einfluss der Nachbarn
Slawische Lehnwörter (ca. 10–15 %), türkische Begriffe aus der osmanischen Zeit, ungarische und griechische Elemente – Rumänisch ist ein sprachliches Mosaik. Das macht es einerseits faszinierend, andererseits einzigartig unter den romanischen Sprachen.
4. Die Re-Latinisierung im 19. Jahrhundert
Im Zuge der Nationalstaatsbildung „säuberten“ rumänische Gelehrte die Sprache bewusst von slawischen Elementen und ersetzten sie durch Wörter aus dem Französischen, Italienischen und direkt aus dem Lateinischen. Das erklärt, warum modernes Rumänisch manchen Lernern „französischer“ vorkommt als erwartet.
Das rumänische Alphabet und die Schrift
Rumänisch verwendet das lateinische Alphabet mit fünf zusätzlichen Sonderzeichen:
| Buchstabe | Name | Aussprache | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Ă, ă | A mit Brevis | wie das „e“ in „Tasse“ | apă (Wasser) |
| Â, â | A mit Zirkumflex | zentraler Vokal /ɨ/ | câine (Hund) |
| Î, î | I mit Zirkumflex | gleich wie  | în (in) |
| Ș, ș | S mit Komma | wie „sch“ | școală (Schule) |
| Ț, ț | T mit Komma | wie „z“ | țară (Land) |
Die gute Nachricht: Rumänisch wird fast genauso geschrieben, wie es gesprochen wird. Es ist eine der am phonetischsten geschriebenen Sprachen Europas. Wer das deutsche Alphabet lesen kann, kann rumänische Texte vom ersten Tag an entziffern – ein großer Vorteil gegenüber Sprachen wie Griechisch, Russisch oder Arabisch.
Historischer Hinweis: Bis ins 19. Jahrhundert wurde Rumänisch mit kyrillischen Buchstaben geschrieben. In der Republik Moldau blieb das kyrillische Alphabet unter sowjetischem Einfluss bis 1989 in Gebrauch. Heute verwenden beide Länder ausschließlich das lateinische Alphabet.
Beispielsätze auf Rumänisch
| Deutsch | Rumänisch | Lautschrift (IPA) |
|---|---|---|
| Guten Tag. | Bună ziua. | ˈbunə ˈziwa |
| Ich heiße Anna. | Mă numesc Anna. | mə nuˈmesk ˈana |
| Ich komme aus Deutschland. | Vin din Germania. | vin din gerˈmani.a |
| Ich spreche Rumänisch. | Vorbesc română. | vɔrˈbesk roˈmɨnə |
| Danke. | Mulțumesc. | mulˈtsumesk |
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Wo wird Rumänisch gesprochen? Verbreitung weltweit
Rumänisch ist Amtssprache in zwei Ländern: Rumänien (ca. 19 Millionen Muttersprachler) und der Republik Moldau (ca. 2,5 Millionen). Seit 2023 wird die Sprache in Moldau auch offiziell als „Rumänisch“ bezeichnet – die alte Bezeichnung „Moldauisch“ ist linguistisch gesehen dieselbe Sprache mit regionalen Unterschieden.
Dazu kommen bedeutende rumänischsprachige Gemeinschaften in Italien (über 1 Million), Spanien, Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Kanada. Auch in den Nachbarländern Ungarn, Serbien, Bulgarien und der Ukraine leben rumänische Minderheiten.
Insgesamt sprechen weltweit rund 24–26 Millionen Menschen Rumänisch als Muttersprache. Rechnet man Zweitsprachler hinzu, kommt man auf über 30 Millionen. Rumänisch ist außerdem eine der 24 offiziellen Sprachen der Europäischen Union.
Dialekte der rumänischen Sprache
Das standardisierte Rumänisch basiert auf dem Dialekt von Bukarest und der Region Walachei. Daneben existieren weitere Dialekte:
Moldauisch wird in der Republik Moldau und im Osten Rumäniens gesprochen. Unterschiede zum Standard betreffen vor allem Aussprache und einzelne Vokabeln – vergleichbar mit dem Unterschied zwischen bundesdeutschem und österreichischem Deutsch.
Transsilvanisch (Siebenbürgisch) hat durch die historische Nähe zu Ungarn und dem deutschsprachigen Raum eigene Färbungen aufgenommen.
Neben diesen Hauptdialekten gibt es noch das Aromunische und Megleno-Rumänische, die in Griechenland, Nordmazedonien und Albanien gesprochen werden. Linguisten streiten darüber, ob es eigenständige Sprachen oder Dialekte des Rumänischen sind – die Unterschiede zum Standard-Rumänisch sind jedenfalls erheblich.

Wie viele Menschen sprechen Rumänisch?
Weltweit gibt es rund 24–26 Millionen rumänische Muttersprachler. Die größten Gruppen leben in Rumänien (ca. 19 Millionen) und der Republik Moldau (ca. 2,5 Millionen). Durch die rumänische Diaspora – besonders in Italien, Spanien und Deutschland – kommen weitere Millionen Sprecher hinzu.
Zählt man Zweitsprachler und Lernende dazu, sprechen schätzungsweise über 30 Millionen Menschen weltweit Rumänisch in irgendeiner Form. Für eine Sprache, die auf nur zwei Länder als Amtssprache beschränkt ist, eine beachtliche Zahl.
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Aus meiner Sicht als jemand, der selbst sechs Sprachen gelernt hat: Rumänisch ist für deutschsprachige Lernende leichter zugänglich, als die meisten denken. Das lateinische Alphabet ist sofort lesbar, die Aussprache ist relativ regelmäßig, und wer bereits Französisch oder Italienisch kann, wird viele Wörter wiedererkennen. Die Grammatik mit ihren Kasusformen mag anfangs ungewohnt wirken, ist aber für deutsche Muttersprachler eigentlich ein Vorteil – wir kennen das Prinzip aus unserer eigenen Sprache.
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Häufige Fragen zur rumänischen Sprache
Ist Rumänisch eine slawische Sprache?
Nein. Rumänisch ist eine romanische Sprache mit lateinischem Ursprung. Es hat zwar 10–15 % slawische Lehnwörter aufgenommen, aber Grammatik, Satzstruktur und Grundwortschatz sind eindeutig romanisch.
Welche Sprache ist Rumänisch am ähnlichsten?
Italienisch. Die lexikalische Ähnlichkeit liegt bei rund 77 %. Viele Alltagswörter sind fast identisch. Auch Französisch und Portugiesisch haben große Überschneidungen.
Zu welcher Sprachfamilie gehört Rumänisch?
Rumänisch gehört zur romanischen (oder: neulateinischen) Sprachfamilie innerhalb der indoeuropäischen Sprachen. Es ist die östlichste romanische Sprache.
Warum wird in Rumänien eine romanische Sprache gesprochen?
Weil die Römer das Gebiet (Dacia) von 106 bis 271 n. Chr. besetzten und die Bevölkerung romanisierten. Die lateinische Sprache überlebte trotz späterer slawischer, gotischer und osmanischer Einflüsse.
Brauche ich ein neues Alphabet für Rumänisch?
Nein. Rumänisch verwendet das lateinische Alphabet mit nur fünf Sonderzeichen (ă, â, î, ș, ț). Du kannst rumänische Texte vom ersten Tag an lesen.
Wird in Moldawien Rumänisch gesprochen?
Ja. Die Amtssprache Moldawiens heißt seit 2023 offiziell Rumänisch. Moldauisch und Rumänisch sind linguistisch dieselbe Sprache mit regionalen Unterschieden.
Wie viele Menschen sprechen Rumänisch weltweit?
Rund 24–26 Millionen Muttersprachler, mit Zweitsprachlern über 30 Millionen. Die größten Gruppen leben in Rumänien, Moldau, Italien und Spanien.
Woher kommt der Name „Rumänien“?
Von „romanus“ – der Römer. Die Rumänen verstehen sich historisch als Nachfahren der romanisierten Bevölkerung Dakiens. Der Name drückt diese lateinische Identität aus.
Sven Mancini lernt seit über 20 Jahren Sprachen als Autodidakt und hat seine Methoden in vier Sprachlern-Büchern dokumentiert. Er spricht sechs Sprachen – darunter Norwegisch auf Business-Niveau und Französisch, eine direkte Schwestersprache des Rumänischen. Auf Sprachfabrik24.de teilt er seit 2014 ehrliche Erfahrungen und getestete Strategien.
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