Hebräische Zahlen funktionieren anders als alles, was du bisher kennengelernt hast. Es gibt keine eigenständigen Ziffern – stattdessen übernehmen die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets gleichzeitig die Funktion von Zahlen. Wer auf Hebräisch bis zehn zählt, lernt damit automatisch einen Teil des Alphabets. Das klingt komplizierter als es ist.
Dieser Artikel erklärt das hebräische Zahlensystem Schritt für Schritt: vom Grundprinzip über vollständige Tabellen mit Aussprache bis hin zur symbolischen Bedeutung einzelner Zahlen. Alles, was du brauchst, an einem Ort.
Kurzantwort: Was sind hebräische Zahlen?
Im Hebräischen gibt es keine separaten Ziffern. Die 22 Buchstaben des Alphabets haben jeweils einen festen Zahlenwert (Alef = 1, Bet = 2 usw.). Zahlen werden durch Kombination dieser Buchstaben gebildet. Dieses System heißt Gematria und hat sowohl sprachliche als auch religiöse Bedeutung.
Das hebräische Zahlensystem – Buchstaben als Zahlen
Das Besondere am hebräischen Zahlensystem: Es ist ein additivs Buchstabenzahlsystem, ähnlich wie die römischen Ziffern – aber mit dem Alphabet verknüpft. Jeder der 22 hebräischen Buchstaben steht für einen bestimmten Zahlenwert. Größere Zahlen entstehen durch Addition der Buchstaben.
Die Werte sind in drei Gruppen gegliedert:
- Einer: Alef (1) bis Tet (9)
- Zehner: Yod (10) bis Tzadi (90)
- Hunderter: Qof (100) bis Tav (400)
Für Zahlen über 400 werden die letzten Buchstaben kombiniert – Tav + Shin ergibt zum Beispiel 700. Das System kennt keine Null, was einen wichtigen Unterschied zum arabischen Zahlensystem darstellt.
Im modernen Alltag in Israel werden arabische Ziffern (1, 2, 3 …) verwendet. Das klassische hebräische Zahlensystem begegnet einem vor allem in religiösen Texten, jüdischen Feiertagen, Bibelzitaten und der Kabbala. Wer Hebräisch ernsthaft lernen möchte, kommt um dieses Wissen nicht herum – genauso wenig wie um das Alphabet selbst. Einen guten Einstieg in die Sprache insgesamt findest du in meinem Überblick zum Hebräisch lernen.
Die 22 Buchstaben und ihre Zahlenwerte
| Buchstabe | Hebräisch | Umschrift | Zahlenwert |
|---|---|---|---|
| Alef | א | ʾAlef | 1 |
| Bet | ב | Bet | 2 |
| Gimel | ג | Gimel | 3 |
| Dalet | ד | Dalet | 4 |
| He | ה | He | 5 |
| Waw / Vav | ו | Waw | 6 |
| Zayin | ז | Zayin | 7 |
| Chet | ח | Chet | 8 |
| Tet | ט | Tet | 9 |
| Yod | י | Yod | 10 |
| Kaf | כ | Kaf | 20 |
| Lamed | ל | Lamed | 30 |
| Mem | מ | Mem | 40 |
| Nun | נ | Nun | 50 |
| Samech | ס | Samech | 60 |
| Ayin | ע | Ayin | 70 |
| Pe | פ | Pe | 80 |
| Tzadi | צ | Tzadi | 90 |
| Qof | ק | Qof | 100 |
| Resh | ר | Resh | 200 |
| Shin | ש | Shin | 300 |
| Tav | ת | Tav | 400 |
Das hebräische Zahlensystem hat mich beim Sprachenlernen ehrlich gesagt überrascht – ich hatte erwartet, einfach neue Symbole auswendig zu lernen. Tatsächlich ist die Logik dahinter eleganter: Wer das Alphabet kennt, hat das Zahlensystem bereits halb verstanden. Mehr zur faszinierenden Geschichte dieser Sprache gibt es in meinem Artikel zur hebräischen Sprachgeschichte und Herkunft.
Hebräische Zahlen 1–10 – Tabelle mit Aussprache
Die Zahlen 1 bis 10 sind der erste und wichtigste Schritt. Hier gibt es eine Besonderheit, die viele Anfänger überrascht: Auf Hebräisch haben Zahlen ein grammatisches Geschlecht. Die Zahlwörter ändern sich je nachdem, ob das gezählte Objekt männlich oder weiblich ist. In der folgenden Tabelle ist die häufiger verwendete Form (maskulin) angegeben.
| Zahl | Hebräisch | Umschrift (maskulin) | Aussprache-Hinweis |
|---|---|---|---|
| 1 | אֶחָד | Echad | „ch“ wie in „Bach“ |
| 2 | שְׁנַיִם | Sh’nayim | „Sh“ wie „Sch“ |
| 3 | שְׁלֹשָׁה | Shlosha | Betonung auf letzter Silbe |
| 4 | אַרְבָּעָה | Arba’a | „’a“ = kurzer Kehlkopflaut |
| 5 | חֲמִישָׁה | Chamisha | „Ch“ wie in „Bach“ |
| 6 | שִׁישָׁה | Shisha | Beide „sh“ wie „Sch“ |
| 7 | שִׁבְעָה | Shiv’a | „v“ wie im Deutschen |
| 8 | שְׁמֹנָה | Shmona | „Shm-“ – kein Vokal am Anfang |
| 9 | תִּשְׁעָה | Tish’a | Leichter Kehlkopflaut bei „’a“ |
| 10 | עֲשָׂרָה | Asara | Beginnt mit Ayin – kehliger Einsatz |
Hinweis zum Geschlecht: Die feminine Form von „eins“ ist zum Beispiel Achat (אַחַת) statt Echad. Beim Lernen im Alltag reicht es zunächst, eine Form zu kennen und die Ausnahmen später zu verfeinern – so bin ich auch bei anderen Sprachen vorgegangen.
Wer die grundlegenden Zahlwörter auf Hebräisch schon kennt und jetzt in den Alltag eintauchen möchte, findet in meiner Sammlung der wichtigsten Wörter auf Hebräisch einen guten nächsten Schritt.
Hebräische Zahlen 1–100 – Die vollständige Tabelle
Die Zahlen von 11 aufwärts werden durch Kombination gebildet. Elf ist „zehn und eins“ (Achad Asar), zwölf ist „zehn und zwei“ und so weiter. Die Zehner folgen einem eigenen Muster. Hier die vollständige Übersicht:
Zahlen 11–20
| Zahl | Hebräisch | Umschrift |
|---|---|---|
| 11 | אַחַד עָשָׂר | Achad Asar |
| 12 | שְׁנֵים עָשָׂר | Shnem Asar |
| 13 | שְׁלֹשָׁה עָשָׂר | Shlosha Asar |
| 14 | אַרְבָּעָה עָשָׂר | Arba’a Asar |
| 15 | חֲמִישָׁה עָשָׂר | Chamisha Asar |
| 16 | שִׁישָׁה עָשָׂר | Shisha Asar |
| 17 | שִׁבְעָה עָשָׂר | Shiv’a Asar |
| 18 | שְׁמֹנָה עָשָׂר | Shmona Asar |
| 19 | תִּשְׁעָה עָשָׂר | Tish’a Asar |
| 20 | עֶשְׂרִים | Esrim |
Die Zehner (20–100)
| Zahl | Hebräisch | Umschrift |
|---|---|---|
| 20 | עֶשְׂרִים | Esrim |
| 30 | שְׁלֹשִׁים | Shloshim |
| 40 | אַרְבָּעִים | Arba’im |
| 50 | חֲמִישִׁים | Chamishim |
| 60 | שִׁישִׁים | Shishim |
| 70 | שִׁבְעִים | Shiv’im |
| 80 | שְׁמֹנִים | Shmonim |
| 90 | תִּשְׁעִים | Tish’im |
| 100 | מֵאָה | Me’a |
Wie werden Zwischenzahlen gebildet? Man nennt den Zehner zuerst, dann den Einer, verbunden mit dem Wort ve- (= „und“). 21 ist also Esrim ve-Echad (עֶשְׂרִים וְאֶחָד). Das Muster ist konsistent und nach einer Weile intuitiv.
Hebräische Zahlen schreiben – So funktioniert die Schrift
Hebräisch wird von rechts nach links geschrieben – das gilt auch für Zahlen. Wer also die Zahl 18 auf Hebräisch schreiben will, schreibt Yod (= 10) und dann Chet (= 8): יח. Größere Buchstaben stehen links, kleinere rechts – genau umgekehrt zur europäischen Konvention.
Die Sonderregeln bei 15 und 16
Hier steckt ein Detail, das die meisten Quellen weglassen: Die Zahlen 15 und 16 werden im klassischen hebräischen System nicht als Yod+He (= 15) oder Yod+Vav (= 16) geschrieben – obwohl das rechnerisch korrekt wäre. Der Grund: Yod+He bildet eine Abkürzung des Gottesnamens (יה, „Jah“), und Yod+Vav eine weitere (יו). Aus Respekt werden stattdessen Tet+Vav (טו = 9+6 = 15) und Tet+Zayin (טז = 9+7 = 16) verwendet.
Diese Sonderregel begegnet einem auf jüdischen Grabsteinen, in Gebetbüchern und überall dort, wo traditionelle hebräische Nummerierung verwendet wird. Sie ist kein Fehler – sondern ein Zeichen von Sprachbewusstsein.
Apostroph und Anführungszeichen als Trennzeichen
Im geschriebenen Hebräisch wird bei Zahlen, die aus mehreren Buchstaben bestehen, vor dem letzten Buchstaben ein Gereshayim (״) gesetzt – ein doppeltes Anführungszeichen. Bei einstelligen Zahlen steht ein einfaches Geresh (׳). Das signalisiert dem Leser: Dies ist eine Zahl, kein Wort.
Beispiel: Die Zahl 5784 (das jüdische Jahr 2023/24 im Hebräischen Kalender) wird als תשפ״ד geschrieben.
Die Bedeutung hebräischer Zahlen
Zahlen haben im Hebräischen keine rein mathematische Funktion. Weil jeder Buchstabe einen Zahlenwert hat, hat jedes Wort automatisch auch einen numerischen Wert. Daraus entstand die Praxis der Gematria – die symbolische Deutung von Zahlen und Wörtern anhand ihrer Zahlenwerte.
Einige Zahlen haben im jüdischen und israelischen Kontext eine besondere kulturelle Bedeutung:
Die wichtigsten symbolischen Zahlen
| Zahl | Hebräisch | Bedeutung |
|---|---|---|
| 7 | שֶׁבַע | Vollkommenheit, Schöpfung (7 Tage), Schabbat |
| 8 | שְׁמֹנָה | Über die Schöpfung hinaus, Beschneidung am 8. Tag, Chanukka (8 Tage) |
| 13 | שְׁלֹשָׁה עָשָׂר | Alter der religiösen Mündigkeit (Bar/Bat Mizwa); Zahlenwert von „Ahawa“ (Liebe) und „Echad“ (Eins) |
| 18 | חַי (Chai) | „Leben“ – beliebteste Glückszahl im Judentum. Geschenke in 18er-Schritten üblich. |
| 36 | לו | Doppeltes Chai – besonders glückverheißend |
| 40 | אַרְבָּעִים | Transformation und Übergang: 40 Jahre Wüste, 40 Tage Sintflut |
| 666 | תרסו | Im christlichen Kontext bekannt als „Zahl des Tieres“ (Offenbarung 13,18) – in der jüdischen Tradition ohne diese negative Konnotation |
Die 18 ist dabei die kulturell relevanteste Zahl im modernen israelischen Alltag. Wer zum ersten Mal an einer jüdischen Feier teilnimmt und Geld schenkt, wählt typischerweise einen Betrag, der ein Vielfaches von 18 ist – das zeigt Kenntnis der Kultur. Solche Nuancen findet man kaum in Wörterbüchern, aber sie machen den Unterschied zwischen oberflächlichem und echtem Sprachverständnis.
Hebräische Numerologie – Gematria einfach erklärt
Gematria (גְּמַטְרִיָּה) ist die Praxis, Wörtern und Texten anhand der Zahlenwerte ihrer Buchstaben eine tiefere Bedeutung zuzuschreiben. Das Wort „Chai“ (חַי, Leben) hat den Zahlenwert 18 – Chet (8) + Yod (10). Daraus erklärt sich die kulturelle Bedeutung dieser Zahl.
Ein weiteres bekanntes Beispiel: Das hebräische Wort für „Liebe“ (Ahawa, אַהֲבָה) hat den Zahlenwert 13 – ebenso wie das Wort für „Eins“ (Echad, אֶחָד). Daraus leiten Kabbala-Interpreten ab: Liebe und Einheit sind dasselbe.
Gematria ist keine Wahrsagerei, sondern ein hermeneutisches Werkzeug – eine Art theologische Textanalyse, die in der jüdischen Tradition seit Jahrhunderten verwendet wird. Die Encyclopaedia Britannica beschreibt Gematria als festen Bestandteil der rabbinischen Schriftauslegung.
Wer tiefer in die Sprache und Kultur eintauchen möchte, findet in meinem Artikel zu hebräischen Floskeln nützliche Alltagsausdrücke – und versteht dabei besser, wie kulturelles Wissen und Sprache zusammenhängen.
Hebräische Zahlen lernen – Praktische Tipps und Kurse
Zahlen auf Hebräisch zu lernen funktioniert am besten in Kombination: Alphabet und Zahlen zusammen üben, weil beides untrennbar verknüpft ist. Was ich aus dem Erlernen mehrerer Sprachen mitgenommen habe: Isoliertes Auswendiglernen von Vokabellisten ist langfristig weniger effektiv als das Einbetten in Kontext. Bei Hebräisch heißt das konkret: Zahlen in echten Sätzen üben, nicht nur als Liste.
Ein paar Ansätze, die sich bewährt haben:
- Tabellen ausdrucken und aufhängen – Die Buchstaben-Zahlenwert-Tabelle an einem Ort, den man täglich sieht.
- Mit dem Datum arbeiten – Das aktuelle Datum auf Hebräisch benennen und dabei die Zahlen festigen.
- Sprachlern-Apps nutzen – Strukturierte Kurse helfen besonders beim Einstieg in das Schriftsystem.
- Online-Unterricht – Für Aussprache und Schriftbild ist Feedback von Muttersprachlern kaum zu ersetzen.
Für den strukturierten Einstieg ins Hebräische lohnt sich ein Blick auf diese Optionen:
- Sprachenlernen24 – Hebräisch Grundkurs (A1/A2)* – Vokabelbasierter Aufbaukurs mit Audiotraining
- Preply – Hebräisch mit Online-Lehrkräften* – Einzelunterricht mit Muttersprachlern, ideal für Aussprache
- Mondly – Hebräisch Sprachkurs* – App-basiertes Lernen mit Aussprachetraining
Einen umfassenderen Überblick zu Kursen, Apps und Methoden für Hebräisch findest du in meinem Hauptartikel: Hebräisch lernen – der komplette Leitfaden.
Interessant übrigens: Hebräisch ist eine der wenigen Sprachen, bei der man durch das Erlernen des Alphabets automatisch das Zahlensystem mitlernt. Das ist ein echter Vorteil – weniger separater Lernaufwand. Ich habe diese Art von Synergien beim Sprachenlernen immer als motivierend empfunden, weil jeder Fortschritt gleich mehrfach nützt.
Wer sich fragt, wo Hebräisch überhaupt gesprochen wird und welche Rolle es in Israel spielt, findet Antworten in meinem Artikel: Welche Sprache spricht man in Israel?
Weiterführende Artikel
- Hebräisch lernen – Kurse, Apps und Methoden im Vergleich
- Hebräisch – Sprachgeschichte und Herkunft
- Die wichtigsten Wörter auf Hebräisch
- Hebräische Floskeln für den Alltag
- Welche Sprache spricht man in Israel?
Sprachlern-Autor & Autodidakt
Ich habe 6 Sprachen als Autodidakt gelernt – darunter Norwegisch bis auf Business-Niveau – und meine Methoden in 4 Büchern dokumentiert. Auf Sprachfabrik24.de teile ich seit 2014 ehrliche Erfahrungen und getestete Strategien fürs Sprachenlernen.