Welche Sprache spricht man in der Ukraine?

Dieser Artikel wurde zuletzt im September 2026 aktualisiert & geprüft.

Ukrainisch ist die alleinige Amtssprache der Ukraine. Aber wo genau wird sie gesprochen, wie verbreitet ist Russisch, und wie entstand die Sprache? Kompakt und fundiert erklärt.

Zwei Menschen im Alltagsgespräch an einem sonnigen Fenster, Symbol für die Sprachsituation in der Ukraine
Mit KI erstelltes Bild

In der Ukraine wird Ukrainisch gesprochen. Das ist die kurze Antwort. Die lange Antwort ist deutlich interessanter, denn die Sprachsituation in der Ukraine ist regional sehr unterschiedlich, historisch geprägt und seit 2022 im starken Wandel. Ukrainisch gehört zum ostslawischen Zweig der indogermanischen Sprachen und ist heute die alleinige Amtssprache eines der flächenmäßig größten Staaten Europas.

Als jemand, der sich seit Jahren intensiv mit dem Erlernen slawisch verwandter Sprachen beschäftigt, finde ich die Sprachsituation der Ukraine besonders aufschlussreich. Nicht zuletzt, weil sie erklärt, warum Ukrainisch und Russisch so ähnlich und gleichzeitig so verschieden sind.

Schnellantwort: In der Ukraine spricht man Ukrainisch, es ist seit 1991 die einzige Amtssprache. Etwa 67 bis 70 Prozent der Bevölkerung sprechen Ukrainisch als Muttersprache, weitere sprechen Russisch als Erstsprache, vor allem im Osten und Süden des Landes. Seit 2022 hat die Nutzung des Ukrainischen im öffentlichen Leben stark zugenommen. Insgesamt sprechen weltweit rund 45 Millionen Menschen Ukrainisch.

Ukrainisch als alleinige Amtssprache der Ukraine

Ukrainisch ist seit der staatlichen Unabhängigkeit der Ukraine im Jahr 1991 die alleinige Amtssprache des Landes. Davor war die Sprachsituation deutlich komplizierter: Unter sowjetischer Herrschaft dominierte Russisch als Sprache der Wissenschaft, Medien und Verwaltung. Ukrainisch war zwar nicht verboten, aber strukturell benachteiligt.

Die Sprache selbst ist Teil des ostslawischen Zweigs der indogermanischen Sprachfamilie und damit eng verwandt mit Russisch und Weißrussisch. Trotz dieser Verwandtschaft sind die Sprachen nicht gegenseitig verständlich, ähnlich wie Deutsch und Niederländisch. Man erkennt Ähnlichkeiten, aber ein Gespräch ohne Vorkenntnisse funktioniert nicht.

Zur Frage, was Ukrainisch und Russisch konkret unterscheidet, in Vokabular, Grammatik und Aussprache, habe ich einen eigenen Artikel geschrieben: Ukrainisch und Russisch, die wichtigsten Unterschiede.

Wo wird Ukrainisch und wo Russisch gesprochen? Die regionale Verteilung

Die Sprachsituation ist innerhalb der Ukraine sehr unterschiedlich. Ganz grob lässt sie sich in vier Regionen einteilen:

Westukraine (Lwiw, Iwano-Frankiwsk, Ternopil, Tscherniwzi): Traditionell fast vollständig ukrainischsprachig, oft 90 bis 95 Prozent. Der Westen war historisch nie so stark russifiziert wie der Osten, weil er lange zu Österreich-Ungarn und danach zu Polen gehörte. Wer in Lwiw ins Café geht, wird auf Ukrainisch bedient, oft mit besonderer westukrainischer Färbung.

Zentralukraine (Kiew, Winnyzja, Poltawa, Tscherkassy): Ukrainisch dominiert, wird aber in urbanen Milieus häufig neben Russisch verwendet. In Kiew war Russisch bis 2022 die informelle Alltagssprache vieler Bewohner, obwohl Ukrainisch offiziell war. Seit dem russischen Angriffskrieg wechseln viele Kiewer bewusst zum Ukrainischen, auch im privaten Umfeld.

Ostukraine (Charkiw, Dnipro, Saporischschja, Donezk, Luhansk): Historisch gemischt, mit einem hohen Anteil von russischsprachigen Muttersprachlern. Vor 2022 war Russisch im Alltag oft dominant, besonders in Charkiw und Dnipro. Der Angriffskrieg hat auch hier eine Sprachwelle Richtung Ukrainisch ausgelöst, allerdings ungleichmäßig.

Südukraine (Odessa, Cherson, Mykolajiw): Ähnlich wie im Osten historisch gemischt, mit einer starken russischsprachigen Bevölkerung. Odessa ist ein Sonderfall: Die Stadt hat eine eigene Sprachtradition mit jiddischen, russischen und ukrainischen Einflüssen. Auch hier verschiebt sich der Sprachgebrauch seit 2022 in Richtung Ukrainisch.

Krim und besetzte Gebiete: Die Krim, seit 2014 von Russland besetzt, ist überwiegend russischsprachig. Ukrainisch und Krimtatarisch wurden dort in den letzten Jahren stark zurückgedrängt.

Sonnige Altstadtstraße in einer osteuropäischen Stadt mit Passanten, warmes Nachmittagslicht
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Verstehen Ukrainer Russisch?

Ja, die meisten Ukrainer verstehen Russisch, oft sogar sehr gut. Der Grund ist historisch: Russisch war jahrzehntelang Verwaltungs-, Schul- und Mediensprache in der Ukraine. Fast jeder ukrainische Erwachsene hatte Russisch-Unterricht in der Schule oder wuchs zweisprachig auf.

Umgekehrt gilt das nicht in gleichem Maße. Russischsprecher aus Russland verstehen Ukrainisch nur eingeschränkt, weil sie meist keinen aktiven Kontakt zur Sprache hatten. Die Linguistik spricht hier von asymmetrischer Verständlichkeit. Wer die Unterschiede und ihre Ursachen im Detail nachlesen möchte, findet die vollständige Analyse in unserem Vergleich Ukrainisch und Russisch, die wichtigsten Unterschiede.

Eine kulturelle Anmerkung, die für Deutsche im Kontakt mit Ukrainern wichtig ist: Auch wenn viele Ukrainer Russisch verstehen und sprechen können, ist es seit 2022 sensibel, sie auf Russisch anzusprechen. Ukrainisch ist die respektvolle Wahl. Wer ein paar Grundwörter beherrscht, öffnet sofort Türen. Konkret helfen unsere Artikel Hallo auf Ukrainisch und Danke auf Ukrainisch.

Entstehung und Ursprung der ukrainischen Sprache

Die Wurzeln des Ukrainischen reichen bis ins frühe Mittelalter zurück. Das Altostslawische war bis etwa zum 13. oder 14. Jahrhundert die gemeinsame Schriftsprache aller Ostslawen. Sie lebten im sogenannten Kiewer Rus, einem Großreich, das als historischer Vorläufer der heutigen Staaten Russland, Ukraine und Weißrussland gilt. Neben dem Altostslawischen existierte das Kirchenslawische als religiöse Schriftsprache. In der Praxis wurden beide häufig miteinander vermischt.

Alte Bibliothek mit Bücherregalen und einem aufgeschlagenen historischen Buch auf einem Holztisch
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Mit dem Zerfall des Kiewer Rus im 13. Jahrhundert in das Großfürstentum Moskau und das Großfürstentum Litauen begannen sich die Sprachen zu trennen. Zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert entwickelten sich das Russische und die ruthenische Sprache. Letztere war die Vorläufersprache des heutigen Ukrainischen und Weißrussischen. Sie stand dem Altostslawischen näher als dem Kirchenslawischen und enthielt bereits deutliche Züge der ukrainischen Volkssprache.

Die neuere ukrainische Literatursprache entstand Ende des 18. Jahrhunderts aus dem Ruthenischen, beeinflusst durch verschiedene ukrainische Dialekte. Im 19. Jahrhundert erlebte die ukrainische Kultur eine Blütezeit, vor allem in Galizien (heute Westukraine und Südpolen) entstanden zahlreiche Werke auf Ukrainisch, und Ukrainisch galt dort als Amts- und Schulsprache.

Unterdrückung und Wiedergeburt: die ukrainische Sprache im Kampf ums Überleben

Was die Geschichte der ukrainischen Sprache besonders macht, ist die Hartnäckigkeit, mit der sie trotz politischem Druck überlebte. Außerhalb Galiziens versuchte die russische Regierung ab Ende des 18. Jahrhunderts systematisch, die ukrainische Sprache zu verdrängen:

  • 1863 bestritt der russische Innenminister Valuev in einem Rundschreiben die Existenz einer eigenständigen ukrainischen Sprache. Für ihn war Ukrainisch ein „von Polnisch verdorbenes Russisch“.
  • 1876 verbot Zar Alexander II. ukrainischsprachige Publikationen aus Angst vor separatistischen Bewegungen. Ukrainische Autoren ließen ihre Werke daraufhin in Galizien drucken.
  • Zur Zeit der Sowjetunion war Ukrainisch nicht verboten, aber Russisch blieb die dominante Sprache in Wissenschaft, Literatur und Medien.

Ab 1905 begann das Ukrainische, schrittweise mehr Funktionen einer Standardsprache zu übernehmen. 1918 wurde es im Rahmen der kurzlebigen Ukrainischen Volksrepublik erstmals zur Staatssprache erklärt. Ein Gesetz von 1990 sah seine offizielle Nutzung vor, 1991 wurde Ukrainisch mit der staatlichen Unabhängigkeit zur alleinigen Amtssprache.

Eine wissenschaftlich fundierte Übersicht zur Geschichte der Ukraine und ihrer Sprache bietet die Bundeszentrale für politische Bildung.

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Wie klingt Ukrainisch? Die drei markantesten Merkmale

Wer noch nie Ukrainisch gehört hat, wird beim ersten Kontakt drei Dinge bemerken. Diese Merkmale unterscheiden Ukrainisch klanglich klar von den slawischen Nachbarn und machen die Sprache erkennbar:

1. Das weiche „H“ statt hartem „G“: Der Buchstabe „Г“ wird im Ukrainischen als weicher, stimmlose Reibelaut ausgesprochen, ähnlich dem deutschen „H“, aber tiefer im Rachen. Im Russischen ist derselbe Buchstabe ein hartes „G“ wie in „gut“. Das verändert den Gesamtklang enorm.

2. Vollständige Vokale: Anders als Russisch reduziert Ukrainisch unbetonte Vokale kaum. Jeder Vokal wird annähernd so ausgesprochen, wie er geschrieben steht. Das macht Ukrainisch phonetisch konsistenter und für Deutschsprachige leichter auszusprechen.

3. Melodische Betonung: Ukrainisch klingt insgesamt weicher und melodischer als Russisch, mit einem fließenden Rhythmus, den viele als angenehm empfinden. In einer Umfrage unter europäischen Journalisten wurde Ukrainisch mehrfach unter die klangvollsten Sprachen Europas gewählt.

Wer die häufigsten ukrainischen Alltagswörter direkt kennenlernen möchte, findet sie in unserer Sammlung Die wichtigsten Wörter auf Ukrainisch mit IPA-Lautschrift. Für ganze Redewendungen und typische Formeln lohnt sich der Blick in unsere ukrainischen Floskeln.

Verbreitung: wie viele Menschen sprechen Ukrainisch?

In der Ukraine sprechen rund 32 Millionen Menschen Ukrainisch als Muttersprache. Weltweit wird die Zahl der Ukrainisch-Sprechenden auf etwa 45 Millionen geschätzt. Nach Russisch und Polnisch ist Ukrainisch damit die am dritthäufigsten gesprochene slawische Sprache.

Ukrainisch wird außerhalb der Ukraine vor allem in diesen Ländern gesprochen:

Historische Nachbarländer (Ukrainer ohne Emigration):

  • Russland
  • Moldawien
  • Weißrussland
  • Polen
  • Rumänien
  • Tschechien, Slowakei, Ungarn
  • Kasachstan

Ukrainische Diaspora (Nachkriegsemigration und nach 2022):

  • Deutschland (über 1 Million Ukrainer seit 2022)
  • Großbritannien
  • Frankreich
  • Kanada (traditionell große Diaspora seit dem 19. Jahrhundert)
  • USA
  • Südamerika (Argentinien, Brasilien)

Die Verbreitung des Ukrainischen nimmt seit Jahren zu, sowohl im öffentlichen Leben als auch im Bildungsbereich. Insbesondere seit 2022 ist das Interesse an der Sprache auch in Deutschland und Österreich stark gestiegen, da viele Geflüchtete aus der Ukraine in deutschsprachigen Ländern leben.

Ukrainisch lernen: so geht der Einstieg

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Die wichtigsten Punkte in Kürze: Das kyrillische Alphabet sitzt nach ein bis zwei Wochen täglichem Üben. Für A2-Niveau sind bei 15 bis 20 Minuten täglich etwa drei Monate realistisch. Einen strukturierten Einstieg bietet der Onlinekurs von Sprachenlernen24, 2 Tage kostenlos testbar.

Ein häufiger Umweg, den ich Anfängern nicht empfehle, ist Duolingo. Die App bietet Ukrainisch nur mit Englisch als Ausgangssprache an, was für Deutschsprachige zusätzliche Reibung bedeutet. Warum das problematisch ist und welche Alternativen wirklich funktionieren, liest du im Artikel Duolingo Ukrainisch für Deutsche.

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Weitere Artikel zum Thema:

FAQ: Ukrainisch als Sprache

Welche Sprache spricht man in der Ukraine?
Ukrainisch ist die einzige Amtssprache der Ukraine. Russisch wird von einem Teil der Bevölkerung als Erstsprache gesprochen, hat aber keinen offiziellen Status mehr.

Welche Sprache spricht man in Kiew?
In Kiew wird sowohl Ukrainisch als auch Russisch gesprochen. Historisch war Russisch die dominante Alltagssprache vieler Kiewer, obwohl Ukrainisch offiziell war. Seit 2022 wechseln viele Bewohner bewusst zum Ukrainischen, auch im privaten Umfeld.

Welche Sprache spricht man im Osten der Ukraine?
Im Osten (Charkiw, Dnipro, Saporischschja, Donezk, Luhansk) ist die Sprachsituation historisch gemischt. Vor 2022 war Russisch im Alltag oft dominant, besonders in Charkiw und Dnipro. Seit dem Angriffskrieg verschiebt sich der Sprachgebrauch stark Richtung Ukrainisch.

Sprechen Ukrainer Russisch?
Ja, die meisten Ukrainer verstehen und sprechen Russisch, weil Russisch jahrzehntelang Schul- und Mediensprache war. Seit 2022 vermeiden viele die aktive Nutzung des Russischen aus politischen Gründen. Die passive Verständigung bleibt aber verbreitet.

Ist Ukrainisch eine eigene Sprache oder ein Dialekt des Russischen?
Ukrainisch ist eine vollständig eigenständige Sprache mit eigener Geschichte, Grammatik und Literatur. Die Behauptung, es sei ein Dialekt des Russischen, ist historisch falsch und politisch motiviert. Sie geht auf russische Zensurerlasse des 19. Jahrhunderts zurück.

Wie viele Menschen sprechen Ukrainisch?
Weltweit ca. 45 Millionen Menschen. In der Ukraine selbst sprechen rund 32 Millionen Ukrainisch als Muttersprache. Nach Russisch und Polnisch ist Ukrainisch damit die dritthäufigst gesprochene slawische Sprache.

In welchen Ländern spricht man Ukrainisch außerhalb der Ukraine?
Nennenswerte ukrainischsprachige Bevölkerungen gibt es in Russland, Moldawien, Weißrussland, Polen, Rumänien, Slowakei, Ungarn und Kasachstan. Große Diaspora-Gemeinden leben in Kanada, Deutschland (seit 2022 über 1 Million), USA, Großbritannien, Frankreich und Südamerika.

Wie alt ist die ukrainische Sprache?
Die Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück, ins Altostslawische des Kiewer Rus (bis ca. 14. Jahrhundert). Als eigenständige Sprache entwickelte sich Ukrainisch zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert. Die heutige Standardsprache basiert auf der Literatursprache des späten 18. Jahrhunderts.

Was ist Surschyk?
Surschyk bezeichnet eine Mischform aus Ukrainisch und Russisch, die vor allem in der Ostukraine und in städtischen Milieus gesprochen wird. Es ist keine standardisierte Sprache, sondern ein informelles Sprachgemisch, das die zweisprachige Situation des Landes widerspiegelt.

Was ist die ruthenische Sprache?
Ruthenisch war die mittelalterliche Vorläufersprache des heutigen Ukrainischen und Weißrussischen. Sie entwickelte sich aus dem Altostslawischen und war zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert die Schriftsprache im Großfürstentum Litauen.

Seit wann ist Ukrainisch Amtssprache?
Offiziell seit 1991 mit der Unabhängigkeit der Ukraine. Ein erstes Sprachgesetz gab es bereits 1990.


Sven Mancini – Sprachlern-Autor und Betreiber von Sprachfabrik24.de

Über den Autor: Sven Mancini

Sven Mancini ist Sprachlern-Autor und Betreiber von Sprachfabrik24.de. Er hat 6 Sprachen als Autodidakt gelernt und seine Methoden in 4 veröffentlichten Büchern dokumentiert. Seit 2014 teilt er auf Sprachfabrik24 ehrliche Erfahrungen und getestete Strategien zum Sprachenlernen.

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